IOC spricht Sperren aus

Die Ergebnisse der betroffenen Sportler von Turin 2006 werden annulliert.
Das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat am Mittwoch auf seiner Sitzung in Peking harte Sanktionen gegen sechs ÖOC-Biathleten und -Langläufer beschlossen, die in die Dopingaffäre bei den Olympischen Winterspielen in Turin 2006 verwickelt waren.

Die Biathleten Wolfgang Rottmann und Wolfgang Perner, die ihre Karrieren bereits beendet haben, wurden ebenso lebenslang von Olympischen Spielen ausgeschlossen wie die Skilangläufer Roland Diethart, Johannes Eder, Jürgen Pinter und Martin Tauber. Ihre Ergebnisse von Turin werden gestrichen.

Razzia im Februar 2006
Auf Grundlage des Anti-Doping-Gesetzes hatte die italienische Staatsanwaltschaft während der Turin-Spiele am Abend des 18. Februar 2006 Olympia-Quartiere der österreichischen Sportler durchsuchen lassen und dabei Hilfsmittel für verbotene Dopingmethoden entdeckt. Unter anderem waren Blutbeutel, Hämoglobinmessgeräte, Spritzen und blutbefleckte Taschentücher sichergestellt worden.

Ausgelöst wurden die Razzien durch die Anwesenheit des nach der "Blutbeutelaffäre" von Salt Lake City 2002 für Winterspiele gesperrten Trainers Walter Mayer.

Empfehlung der Disziplinarkommission
Das Exekutivkomitee des IOC hielt sich bei seiner Entscheidung an eine Empfehlung der dreiköpfigen Disziplinarkommission unter Vorsitz des Deutschen Thomas Bach, die den Fall der ÖOC-Athleten geprüft hatte.

"Das Vergehen war nicht ein positiver Test, sondern erstmals der bloße Besitz von Substanzen und die besonderen Umstände und Komplizenschaft", erklärte Bach.

"Besitz alleine ist schon ein Vergehen"
"Der Besitz alleine ist schon ein Vergehen, eine Verletzung des Anti-Doping-Codes. Damit beweist das IOC seine Nulltoleranzpolitik im Anti-Doping-Kampf."

Der Bericht der Staatsanwaltschaft von Turin habe klar gezeigt, dass eine große Anzahl von medizinischen Geräten in den Quartieren beschlagnahmt wurde, die von den Athleten benützt worden seien. "Das geht von Kochsalzlösung, Spritzen, Beuteln zur Aufbewahrung von Blut bis zu anderen Dingen", erklärte Bach in Peking.

"Umgeben von Blutbeuteln und Spritzen"
"Diese Athleten haben gemeinsam in Appartements gelebt, umgeben von Blutbeuteln und Spritzen. Das heißt, es ist fast unmöglich, dass diese Athleten nicht gewusst haben, was passiert. Man kann den Schluss ziehen, dass sie voneinander wussten und sogar zusammengearbeitet haben", sagte Bach. Das habe strenge Sanktionen erfordert.

"Diese Mentalität ist nicht akzeptabel"
Bach weiter: "Die Kommission hält diese Mentalität für Teilnehmer an Spielen für nicht akzeptabel. Wir hoffen, dass diese Sanktion abschreckende Wirkung hat."

Einen vergleichbaren Fall hatte es im internationalen Sport bisher erst ein Mal gegeben, als der US-Sprinter Tim Montgomery vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne für zwei Jahre wegen Dopings gesperrt wurde. Auch der 100-Meter-Weltrekordler hatte nie eine positive Dopingprobe abgegeben, sondern wurde allein auf Grund von Indizien verurteilt.

"Netzwerk von Blutmanipulation"
In der offiziellen Presseaussendung des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) zu den lebenslangen Sperren gegen sechs ÖSV-Athleten wird ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth wie folgt zitiert:

"Der Vorsitzende der IOC-Disziplinarkommission, Dr. Thomas Bach, begründet diese strengen Sanktionen mit der Tatsache, 'dass diese Angelegenheit über den lediglichen Besitz von verbotenen Substanzen und Methoden hinausgeht und ein klares Beispiel dafür ist, dass hinter diesen Aktivitäten ein Netzwerk von Blutmanipulation steht'."

Nun prüft die FIS
Auch Christian Hoffmann, der wegen einer Erkrankung gar nicht in Turin/Pragelato war, wurde in Peking zum Thema. In seinem Fall ging es um eine beantragte Akkreditierung, die aber nicht genützt wurde. Das IOC hat alle Vorwürfe gegen den Olympiasieger von 2002 fallen gelassen. Der FIS wurde empfohlen zu prüfen, ob Hoffmann seinen Aufenthaltsort während der Abwesenheit auch bekannt gegeben habe.

Bei den sechs für alle künftigen Spiele in allen Funktionen gesperrten Athleten wurde den Internationalen Verbänden (FIS bzw. IBU) empfohlen, weitere Maßnahmen innerhalb ihrer eigenen Kompetenzen zu prüfen. Das könnte im schlimmsten Fall zu Sperren der Sportler führen.

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