ARD und ZDF haben genug

"Das ist ein Tiefschlag. Wir müssen uns jetzt über unser Sponsoring Gedanken machen."
Nach Bekanntwerden der positiven Dopingprobe des T-Mobile-Profis Patrik Sinkewitz haben die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender ARD und das ZDF ein Zeichen gesetzt und ihre Berichterstattung von der Tour de France vorläufig eingestellt. Das bestätigte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender am Mittwoch.

Er habe sich mit der ARD beraten. "Wir haben entschieden, bis zur Klärung des Falles aus der Tour-Berichterstattung auszusteigen", sagte Brender im "Mittagsmagazin" des ZDF.

Boykott bis zur Klärung
Brender setzt darauf, dass alle Beteiligten nun "Klarschiff" machen würden. "Ich hoffe, wir haben einen Schritt dazu beigetragen", sagte er. Der Boykott werde so lange anhalten, bis die Angelegenheit geklärt sei, bestätigte ein ZDF-Sprecher gegenüber der dpa.

Der Präsident der Tour-Organisation ASO, Patrice Clerc, hat die Entscheidung zum Boykott der Frankreich-Rundfahrt kritisiert. "Damit wird die Tour bestraft, aber wir sind die Falschen", sagte Clerc am Mittwoch nach der zehnten Etappe in Marseille. Leidtragende seien die Zuschauer sowie jene Fahrer und Teams, die unbelastet seien. Die Medien hätten die Aufgabe, zu berichten und den Kampf gegen Doping zu begleiten.

Zwischen Helden und Realität
Vor der Tour hatten ARD und ZDF angekündigt, ihre Berichterstattung vom wichtigsten Radrennen der Welt einzustellen, sollten erneut Dopingvergehen aufgedeckt werden.

Nach einem leichten Zuschauerrückgang zu Beginn der Tour hatten die Sender bei den Alpenetappen wieder sehr gute Seherzahlen vermeldet. Ursache dafür war auch der deutsche Jungstar Linus Gerdemann, der für einen Tag ins Gelbe Trikot schlüpfte. Der 24-Jährige wurde daraufhin als neuer deutscher Radsportheld gefeiert.

Der Sender Eurosport wird die Berichterstattung fortsetzen.

Positive Probe bereits am 8. Juni
Mit Sinkewitz geriet jedoch ein weiterer populärer deutscher Radfahrer unter starken Dopingverdacht.

Laut Mitteilung des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) war der 26-Jährige bei einer Trainingskontrolle am 8. Juni mit einem deutlich erhöhten Testosteronwert getestet worden.

Derzeit liegt Sinkewitz nach seinem Sturz nach der achten Etappe der Tour de France mit schweren Gesichtsverletzungen in einem Hamburger Krankenhaus.

Sinkewitz überrascht
Der ehemalige Sieger der Deutschland-Tour und diesjährige Gewinner des Klassikers "Rund um den Henninger Turm" reagierte überrascht auf die Nachricht: "Ich? Wieso ich? Davon weiß ich nichts. Das kann nicht sein."

Derzeit wird der Deutsche in einer Hamburger Klinik an den Verletzungen behandelt, die er sich bei einem schweren Sturz während der Tour zugezogen hat. "Ich werde gleich operiert und kann mich jetzt nicht darum kümmern", sagte der Radprofi.

Wie reagiert der Sponsor?
Bei Team und Sponsoren herrschte freilich Bestürzung statt Ungläubigkeit. "Das ist ein Tiefschlag. Wir müssen uns jetzt über unser Sponsoring Gedanken machen", sagte T-Mobile-Kommunikationsdirektor Christian Frommert.

"Wir haben Sinkewitz sofort suspendiert", stellte Rennstallsprecher Stefan Wagner auch gleich klar, befürchtet aber trotzdem Konsequenzen für das Team.

"Bisher unterstützt der Sponsor uns auf unserem Weg des strikten Anti-Doping-Programms. Wie er jetzt reagieren wird, kann ich nicht sagen. Das ist Sache von T-Mobile", so Wagner.

"Schwerer Schlag"
Auch Sinkewitz' österreichischer Teamkollege Bernhard Eisel sagte noch vor der zehnten Tour-Etappe in einem TV-Interview: "Das ist natürlich ein schwerer Schlag für unsere Mannschaft. Wir befürworten zu 100 Prozent die Kontrollen und dementsprechend auch die Sanktionen, die jetzt wohl auf Patrik zukommen."

Doch die möglichen Konsequenzen könnten nicht nur Sinkewitz, sondern den gesamten Rennstall treffen.

Immer wieder Doping
Das T-Mobile-Team hatte nach den Dopinggeständnissen seiner Ex-Fahrer Erik Zabel, Udo Bölts, Rolf Aldag, Brian Holm, Christian Henn und Jörg Jaksche im Mai noch einmal bekräftigt, das Engagement wie angekündigt bis 2010 fortsetzen zu wollen.

Zusammen mit CSC installierte der deutsche Rennstall unter dem neuen Management von Bob Stapleton das wahrscheinlich effektivste Anti-Doping-Programm aller 20 ProTour-Teams.

Auch Gerolsteiner überdenkt Engagement
Nach dem neuen Dopingfall im deutschen Radsport will auch der Getränkehersteller Gerolsteiner sein Engagement als Sponsor überdenken.

"Wir werden im August beraten, ob wir dem Radsport auch nach Ablauf des Vertrages Ende 2008 treu bleiben", sagte Sprecher Stefan Göbel dem "Handelsblatt".

Zwar habe der Fall Sinkewitz keinen unmittelbaren Einfluss auf das Team Gerolsteiner, entscheidend sei aber, ob es dem Team noch gelinge, positiv auf die Marke Gerolsteiner zu wirken, sagte Göbel. "Dafür sind Sinkewitz und der Ausstieg von ARD und ZDF sicherlich nicht förderlich."

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