Über "Herrn Gasprom"

Vier Millionen "Abgang" in drei Jahren.
Österreichs Rekordmeister SK Rapid bleibt weiterhin ein Verein, der frei von Sponsoren im Clubnamen und unabhängig von Einzelpersonen ist. Rudolf Edlinger, der am Dienstagabend in der Wiener Stadthalle zum dritten Mal als Vereinspräsident das Vertrauen der Mitglieder erhielt, stellte das einmal mehr in den Vordergrund.

©Bild: GEPA/Josef Bollwein
©Bild: GEPA/Josef Bollwein
Die Vereinspolitik ist für den ehemaligen SPÖ-Finanzminister der Grund, warum Rapid in Österreich kein Club wie jeder andere ist. Die Rekordzuschauerzahlen (mit einem Schnitt von über 15.000 Fans pro Heimspiel in "Sankt Hanappi") sind für Edlinger kein Zufall.

"Im Gegensatz zu anderen Vereinen stehen beim SK Rapid eben Herz, Leidenschaft und Begeisterung im Vordergrund. Bei uns kommt nicht das Geld an erster Stelle, sondern die Emotionen der Leute. Andere Clubs haben Zuschauer, Rapid hat Fans, die für den Verein leben", so der 67-Jährige.

Von Altlasten und neuen Sorgen
Doch Unabhängigkeit hat ihren Preis. Im Gegensatz zu den nationalen Budgetriesen Red Bull Salzburg und FK Austria Magna, die ihren Clubnamen mit den Hauptsponsoren "schmückten" oder gar wie in der Mozartstadt auch auf die ehemaligen Vereinsfarben oder Tradition keinen Wert mehr legten, hat Rapid große Finanzsorgen.

Finanzreferent Johann Smolka musste nach Nachfrage der Mitglieder eingestehen, dass in den vergangenen drei Jahren ein "Abgang von vier Millionen Euro" erzielt wurde.

Obwohl sich Rapid 2005 den 31. österreichischen Meistertitel (1941 wurden die Grün-Weißen als einziger "ausländischer" Club zudem auch deutscher Meister) gesichert und danach auch überraschend die Champions League erreicht hatte, wurde daraus kein Kapital geschlagen.

Unterdeckung von zwei Millionen
Für die laufende Saison ist das Budget von rund elf Millionen Euro etwa nicht gedeckt. Der populärste Verein des Landes schafft es seit Jahren nicht, international finanzkräftige Sponsoren an Land zu ziehen.

Nur dank der Verlängerung des Vertrags mit Hauptsponsor Wien Energie bis 2008/09 erhielten die Hütteldorfer die Lizenz, allerdings mit Auflagen. So muss der Budgetplan nach Kontrolle durch die Liga eingehalten werden.

Dazu fehlen rund zwei Millionen Euro. Werden diese nicht aufgebracht (durch zusätzliche Sponsoren, den Verkauf von Spielern oder eine Reduktion der Ausgaben), so muss ein Vorgriff auf das Geld durch die Prolongierung des Hauptsponsors erfolgen.

©Bild: GEPA/Josef Bollwein
©Bild: GEPA/Josef Bollwein
Kein Abramowitsch in Hütteldorf
Edlinger meinte danach auf der Pressekonferenz, dass Spekulationen über einen Einstieg eines Roman Abramowitsch (mächtiger Mäzen von Chelsea mit Geschäftsbeziehungen in Österreich) oder des russischen Erdgasförderunternehmens Gasprom (das u. a. bei Schalke 04 groß investiert) nur Gerüchte seien.

"Ein Herr Abramowitsch oder ein Herr Gasprom haben sich bei mir noch nicht vorgestellt", sagte er. Auch von der Fortis-Bank, die den UEFA-Cup-Gegner RSC Anderlecht nach Angaben von Edlinger mit 30 Millionen unterstützt, habe er vorher noch nie etwas gehört.

Solche finanzkräftigen Partner, die allerdings so wie Abramowitsch bei Chelsea ein gewichtiges Wort auch im sportlichen Bereich mitsprechen, bleiben in Hütteldorf ein Wunschtraum.

©Bild: GEPA/Walter Luger
©Bild: GEPA/Walter Luger
Der "Deal" von Kuhn
Dafür war aber von Manager Werner Kuhn, der ebenso wie der Verein kurzfristig durch Zuwendungen des Eurofighter-Herstellers EADS in den Mittelpunkt des politischen Interesses gerückt war, ein anderer - letztlich gescheiterter - "Deal" vorbereitet worden.

Am 23. April war ein Vertrag zwischen Werner Koppel als Präsident von Jasmin Raw Materials Ltd und der SK Rapid Wirtschaftsbetriebe Ges.m.b.H. unterzeichnet worden. Demnach sollte der neue Partner 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Die Vereinbarung sah vor, dass sich Jasmin Raw Materials zunächst bis 26. April und dann bis 10. Mai zur Zahlung dieser Summe verpflichtete. Die - versprochenen - Millionen sollten vor allem für "eine Heranführung des Stadions (durch Revitalisierung oder Neubau) an einen internationalen Standard und Erhöhung der Stadionkapazität" verwendet werden.

Als Gegenleistung wurden dafür u. a. optionale Leistungen vom Marketing über Banden- bis Dressenwerbung angeboten. Allerdings wurde Rapid-Manager Kuhn durch einige Erlebnisse skeptisch. So hatte man im Vorjahr den Großkonzern 32group (der vom iranischen Admira-Präsidenten Madschid Pischjar geführt wird) wegen ausstehender Sponsorzahlungen auf eine Million Euro geklagt.

"Seit meinen jüngsten Erfahrungen weiß ich, dass alles erst zählt, wenn Geld auf dem Konto ist", so Kuhn damals. Es stellte sich dann übrigens heraus, dass bei der Staatsanwaltschaft in einem anderen Fall Anklage gegen Koppel wegen Betrugs erhoben wurde.

Christian Tragschitz, ORF.at

Link: