Comeback der "Home Internationals"?

Legen die Vereine ihr Veto ein?
Der Schock sitzt nach wie vor tief: England wird bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz nicht dabei sein.

Aber auch Schottland, Wales und Nordirland müssen zuschauen. Dass kein einziges Team aus dem Vereinigten Königreich den Weg zu einem Großereignis schafft, gab es zuletzt 1994.

Neben dem dramatischen Aus von England scheiterte Schottland nur knapp in der "Todesgruppe" mit Italien und Frankreich. Nordirland wurde Dritter hinter Spanien und Schweden. Wales belegte mit vier Siegen in der Deutschland-Gruppe den fünften Rang.

Hauptsache Fußball
Doch die Briten brauchen Fußball genauso dringend wie Nahrung. Fans, Medien, Sponsoren verlangen nach ihrem Lieblingssport.

Deshalb ist der britische Premier Gordon Brown überzeugt, dass eine Neuauflage der legendären "Home Internationals" seinen Landsleuten den nächsten Sommer retten wird. Auch der schottische Verbandspräsident Gordon Smith steht hinter dieser Idee.

Briten spielen gegen Briten
Die "Home Internationals" wurden mit Unterbrechungen von 1883 bis 1984 gespielt. Dabei treffen die Teams von England, Schottland, Wales und Nordirland im Turnierformat aufeinander.

England war mit 51 Triumphen Rekordsieger in diesem Bewerb. Schottland konnte 41 Erfolge verbuchen, Wales gewann zwölfmal, Nordirland/Irland feierte acht Siege. In manchen Jahren wurde die Siegerehre geteilt.

Mr. Brown hätte Spaß
"Ich weiß, dass sich jeder Fußballfan in Britannien auf einen Sommer voller Fußball gefreut hat. Wir haben zwar Olympia, aber das ist eine große Enttäuschung."

"Einige Leute fordern daher eine einmalige Neuauflage der Home Internationals. Das würde mir auch großen Spaß machen. Ich habe noch tolle Erinnerungen an die Spiele in den 60er und 70er Jahren", so der gebürtige Schotte.

"Die Fußballverbände und die Vereine sollten sich das wieder überlegen."

Clubs dagegen?
Ob die großen Clubs zustimmen, ihre Spieler in einem "bedeutungslosen" Turnier einzusetzen, ist fraglich. Für die einzelnen Verbände und die Betreiber der Stadien wäre das Turnier aber sicher eine willkommene Einnahmequelle.

Gewalt und politische Probleme
Der innerbritische Vergleich um die "British Home Championship" wurde 1984 nach über 100 Jahren eingestellt. Das Interesse daran nahm ab, die WM und der Europacup waren erstrangig, und die Terminflut ließ ein zusätzliches Turnier nicht mehr zu.

Hinzu kamen die politischen Probleme in Nordirland (1981 wurde das Turnier deshalb abgesagt) und das Aufkommen des Hooliganismus. Lediglich die Partien zwischen England und Schottland sorgten für volle Stadien und viel Emotion.

Schottische "Weltmeister"
So stürmten schottische Fans 1967 das Spielfeld im Wembley-Stadion und erklärten ihre Mannschaft zum "Weltmeister", nachdem die "Bravehearts" den regierenden Champion England 3:2 besiegt hatten.

Zehn Jahre später zerlegte die "Tartan Army" bei den Feiern nach einem 2:1-Erfolg über den Erzrivalen neuerlich das Wembley-Stadion.

Der Rasen wurde herausgerissen und das Tor von den feierenden Massen abgebaut und in Stücken nach Schottland gebracht.

Tragödie im Ibrox Park
Den schlimmsten Zwischenfall gab es 1902, als im damaligen Ibrox Park von Glasgow eine Tribüne einstürzte. 26 Menschen wurden getötet, rund 500 Zuschauer verletzt. Das Spiel wurde zwar nach einer 20-minütigen Unterbrechung fortgesetzt, später aber wiederholt.

England wieder im Spiel
In den letzten Jahren gab es, vor allem von den kleineren Verbänden, immer wieder Bestrebungen, diesen Wettbewerb zu reaktivieren. Aufgrund der ablehnenden Haltung Englands sollte jedoch Irland an dem geplanten "Celtic Cup" teilnehmen.

Nach dem unerwarteten Scheitern in der EM-Qualifikation für die Euro 2008 könnte sich diese Einstellung jedoch geändert haben.

Links: