Olympia in weite Ferne gerückt

Sturz bei 60 km/h endet mit schweren Verletzungen.
Mit dem Ziel einer Empfehlung für Olympia 2008 vor Augen, ist die 37-jährige Kate Allen am Sonntag beim Weltcup in New Plymouth (Neuseeland) nach einem 60-km/h-Sturz auf der Radstrecke mit schweren Verletzungen im Krankenhaus gelandet.

"Sie schaut im Gesicht brutal aus. Wir werden versuchen, morgen heimzufliegen. Was das nun für Olympia bedeutet, können wir noch nicht sagen, es ist jetzt auch zweitrangig", sagte Ehemann und Betreuer Marcel Diechtler nach dem fürchterlichen Crash.

Hütthaler in Unfall verwickelt
Was am Ende der ersten Radrunde auf einer Geraden genau passierte, muss erst geklärt werden und ist Gegenstand von Untersuchungen der Internationalen Triathlon-Union (ITU) und des österreichischen Verbandes (ÖTRV).

Denn es waren auch andere Athletinnen, mit Lisa Hütthaler auch eine zweite Österreicherin in den Unfall verwickelt.

Die Olympiasiegerin von Athen prallte bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h mit voller Wucht mit dem Gesicht auf dem Asphalt auf.

Daumen gebrochen, drei Zähne verloren
Erste Untersuchungen im örtlichen Krankenhaus ergaben einen Bruch des rechten Daumens, ein angebrochenes Nasenbein, den Verlust von drei Zähnen (zwei Eckzähne, ein Schneidezahn), Serienrippenprellungen sowie schwere Verbrennungen und Abschürfungen an Armen und Beinen.

Nachdem die zahlreichen weiteren Verletzungen im Gesicht (Schürfwunden, offene Unterlippe etc.) mit 22 Stichen genäht worden waren, brachte Diechtler seine Frau am späten Abend ins Hotel.

"Sie hatte große Schmerzen und einen Schock, mit Schmerztabletten geht es ihr jetzt relativ gut. Mal sehen, wie sie die Nacht verbringt und ob wir heimfliegen können", sagte der Tiroler.

Ankunft in Innsbruck für Dienstag geplant
Die Ärzte wollten Allen zur Beobachtung im Spital behalten, doch sie möchte in Österreich weiter behandelt werden. Eine Flugerlaubnis wurde erteilt. "Ich habe zu Hause bereits einen Zahnarzt und einen Orthopäden organisiert", sagte Diechtler.

Die Heimreise führt über Auckland, Bangkok und Frankfurt nach Innsbruck, wo die beiden am Dienstag eintreffen sollen.

Kate Allen war nach 22 Wochen Vorbereitung voll motiviert in den Saisonauftakt gegangen. Nach einer starken Schwimmleistung und als sie im Radbewerb nur noch 15 Sekunden Rückstand auf die Führenden hatte, passierte der Unfall, bei dem auch die US-Amerikanerin Mary Beth Ellis stürzte und einen Armbruch erlitt.

Erleichterung nach Schockerlebnis
"Ich bin heilfroh, dass nicht mehr passiert ist. Ich hatte keine Chance, diesen Sturz zu verhindern. Alles Weitere muss man in Ruhe klären", sagte Kate Allen.

Und Diechtler berichtete: "Ich war nicht dort, ich habe sie erst in der Ambulanz gesehen. Aber es war wohl eine Kollision zwischen ihr und Lisa Hütthaler dabei. Das wird nun untersucht." Er zeigte sich erleichtert, dass "Genick, Rücken und Beine" in Ordnung sind. Kate Allen war auch immer bei Bewusstsein.

Verband will Aufklärung
ÖTRV-Generalsekretär Herwig Grabner, der nicht in Neuseeland war, will eine Klärung des Vorfalls. "Wir fordern Stellungnahmen der Athletinnen an. Wir wollen wissen, was wirklich passiert ist, wollen es nüchtern und in Ruhe betrachten, keine voreiligen Schlüsse ziehen und nicht einmal mutmaßen."

Mit Diechtler telefonierte Grabner bereits, mit Hütthaler hatte er bisher nur SMS-Kontakt. Auch die ITU ist an einer Klärung des Geschehenen interessiert. "Sie prüft das derzeit. Wir wissen nicht, ob es Videomaterial gibt. Wir werden jedenfalls alles anfordern", sagte Grabner.

Olympia in Gefahr
Ob Kate Allen ihre Olympiakampagne fortsetzen kann, wird sich zeigen, sie will es jedenfalls versuchen. "Ich möchte bis zur EM in Portugal (10./11. Mai/Anm.) wieder einigermaßen konkurrenzfähig sein."

In Neuseeland hatte ihr Diechtler den Sieg zugetraut. "Schade, sie ist super geschwommen, mit ihrer Laufleistung hätte sie wahrscheinlich gewonnen oder wäre unter die ersten Drei gekommen. Jetzt wird es eng." New Plymouth zählte als erster Wettkampf zur Erbringung der ÖOC-Olympianorm.

Österreichs Damen hatten dank Platz acht im Nationenranking vor Neuseeland drei Olympia-Startplätze, nun sind es nach dem Rückfall auf Ranglistenplatz neun derzeit nur noch zwei.

Vage Hoffnung auf baldiges Comeback
"Kate war in einer sehr guten Form. Wir hoffen, dass sie bald wieder fit ist. Der dritte Platz ist einmal weg. Es ist keine andere in Sicht, die statt ihr den dritten Quotenplatz holen kann. Lisa ist die Einzige, die infrage käme, und sie ist zu weit weg", sagte Grabner.

Das Rennen, das von der Australierin Emma Moffatt gewann, beendete Hütthaler als 19. Bei den Herren siegte der Spanier Javier Gomez.

Erste Stellungnahme von Hütthaler
Hütthaler gab aus Neuseeland per sms folgende erste Stellungnahme ab: "Das Tempo war extrem hoch. Ich habe nur gehört, dass es hinter mir einen gewaltigen Crash gegeben hat, wusste zu diesem Zeitpunkt aber nicht, dass Kate in den Sturz verwickelt war.

Ich habe einen ordentlichen 'Achter' im Hinterrad, da muss jemand touchiert haben. Ich weiß aber nicht, wer es war. Gott sei Dank bin ich bei diesem Höllentempo nicht auch gestürzt."

Triathlon-Weltcup in New Plymouth

(1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen)

Herren:
1.Javier GomezESP1:47:33
2.Brad KahlefeldtAUS+0:30
3.Andrew JohnsGBR0:43
4.Kris GemmellNZL0:53
5.Peter CroesBEL0:57

Kein Österreicher am Start.

Weltcup-Gesamtwertung (nach 2 von 16 Bewerben): 1. Gomez 100 Punkte - 2. Kahlefeldt 88 - 3. Tichelaar 51 - 4. Brendan Sexton (AUS) 45 - 5. Tim Don (GBR) und Johns je 39

Damen:
1.Emma MoffattAUS2:01:01
2.Lisa NordenSWE+0:06
3.Felicity AbramAUS0:15
4.Daniela RyfSUI0:47
5.Liz BlatchfordGBR0:47
19.Lisa HütthalerAUT3:08

Kate Allen (AUT) am Ende der ersten Runde der
Radstrecke schwer gestürzt.

Weltcup-Gesamtwertung (nach 2 von 16 Bewerben): 1. Norden 83 Punkte - 2. Moffatt 68 - 3. Whitcombe 58 - 4. Emma Snowsill (AUS) 50 - 4. Abram 50 - 6. Ryf 48; Weiter: 21. Hütthaler 7

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