Bessere Regeneration

"Live high, train low."
Das Nationalteam setzt in der EM-Vorbereitung auf neue Technologien. In der Nacht auf Dienstag traf im ÖFB-Camp in Lindabrunn ein Sattelschlepper mit einem Anhänger ein, der eine Novität im Fußball darstellen dürfte. Die Hypoxie-Kammer (Hypoxie: Sauerstoffmangel in den Geweben) soll den Teamspielern zur besseren Regeneration dienen.

©Bild: APA/Robert Jaeger
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In der rund 60 Quadratmeter großen Räumlichkeit können in puncto Sauerstoffgehalt Bedingungen wie in Höhenlage simuliert werden. Der genaue Sauerstoffanteil kann reguliert werden, für das ÖFB-Team wird er auf etwa 2.500 Meter eingestellt.

Kein Höhentraining
Teamarzt Ernst Schopp legte allerdings Wert auf die Feststellung, dass es sich dabei nicht um ein Höhentraining handelt. "Das haben wir nie vorgehabt. Es handelt sich nicht um eine Höhensituation, sondern um eine Hypoxie-Situation", sagte der Mediziner.

Schopp will nun alle Spieler informieren "und ihnen sagen, dass sie es einmal probieren sollen". Ein "Hypoxie-Zwang" bestehe allerdings nicht. Als Aufenthaltsdauer werden den Kickern 30 bis 45 Minuten empfohlen, der positive Effekt tritt angeblich nach 15 Minuten ein.

©Bild: GEPA/Mario Kneisl
©Bild: GEPA/Mario Kneisl
In der mit Teppich ausgelegten Kammer sind Sessel und Massagetische aufgestellt, die Spieler werden in dem Raum entweder lesen oder massiert, aber keine körperlichen Anstrengungen unternehmen.

Hickersberger "überzeugt"
Durch den niedrigeren Sauerstoffgehalt soll der Stoffwechsel angeregt werden, auch Muskeln können angeblich besser, weil tiefer massiert werden. Allerdings, so musste Schopp zugeben, basieren diese Thesen auf "Beobachtungen", denn wissenschaftliche Studien zu diesem Thema existieren nicht.

Teamchef Josef Hickersberger führte zum Thema Hypoxie-Kammer bereits im Dezember erste Gespräche mit Herbert Kernreuter, dem Marketing-Chef der Wiener Firma Körper.Geh.Fühl, die mit Hypoxie-Kammern arbeitet und für den ÖFB die mobile Station, die während der EM auch in Stegersbach stehen wird, entwarf und zur Verfügung stellte.

Nach Gesprächen mit vielen Medizinern ist Hickersberger von der Sinnhaftigkeit des Projekts überzeugt. "Alle, mit denen ich gesprochen habe, haben mir versichert, dass es für die Regeneration positive Effekte gibt und die Durchblutung der Muskeln gefördert wird."

"Neue Wege und Hightech pur"
Zweifel an der neuen Methode ließ sich "Hicke" nicht anmerken. "Ich weiß, dass wir neue Wege beschreiten, die teilweise noch nicht erforscht sind. Es ist Hightech pur. Wir haben das Modernste, was am Markt üblich ist."

"Der Rest ist Fantasie, aber ich glaube, wenn wir den anderen in der Vorbereitung alles nachmachen, werden wir nichts Neues und vielleicht keine Überraschung haben", sagte der Teamchef, der keine Bedenken hat. "Früher hat man unten gelebt und ist nach oben gegangen, um zu trainieren. Neueste Erkenntnisse aber sagen: 'Live high, train low'."

Keine Anwendung knapp vor dem Spiel
Teamarzt Schopp sieht in der Hypoxie-Kammer "einen weiteren Mosaikstein in der Trainingspräzision. Wenn wir schon jedes Training exakt steuern, müssen wir auch optimale Bedingungen für die Regeneration schaffen", sagte der Wiener.

Er rät den Spielern aber vor einem exzessiven Gebrauch der Kammer ab, weil sonst die Gefahr bestünde, dass die Spieler zu "relaxt" seien und dadurch im Ernstfall zu wenig Spannung aufbauen könnten. Deshalb wird auch vor einer Anwendung einen Tag vor einem Spiel abgeraten.

Finanziert wurde die mobile Hypoxie-Kammer mit Unterstützung des Bundeskanzleramtes. Nach der EM wird der Truck zwar nicht weiter eingesetzt, die Geräte aber sollen abmontiert und auch anderen Sportarten zur Verfügung gestellt werden.

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