Auf Peking-Zug aufgesprungen

"Schön, dass es am Ende doch gereicht hat."
Zu den "Grenzfällen", die am Montag vom ÖOC für Peking grünes Licht erhalten haben, gehörten neben zwei Beachvolleyball-Duos und Radfahrerin Monika Schachl streng genommen auch die Tennisspieler.

Jürgen Melzer, Julian Knowle und Sybille Bammer wurden nominiert, nur Tamira Paszek muss zu Hause bleiben. Keiner der vier ÖTV-Kandidaten hatte das nationale ÖOC-Limit erbracht.

Zum zweiten Mal dabei
Melzer ist nach Athen 2000 (Erstrunden-Niederlage) zum zweiten Mal bei Olympischen Spielen und wird beim Tennisturnier in Peking nicht nur im Einzel, sondern mit Knowle auch im Doppel antreten.

"Es war nicht in meiner Hand. Aber ich denke, dass ich die Leistungen für eine Qualifikation erbracht habe. Es wäre daher schon sehr hart gewesen, wenn ich nicht dabei gewesen wäre. Ich bin echt erleichtert", sagte Melzer einen Tag nachdem er beim Heimturnier in Kitzbühel erst im Finale verloren hatte. "Schön, dass es am Ende doch gereicht hat, ich freue mich riesig", sagte der Tennisprofi beim Ausfassen seiner Olympia-Bekleidung in Wien.

In Peking in Hochform?
Der an Spitzenhotels gewöhnte Melzer wird in Peking im olympischen Dorf wohnen. Auch deshalb, weil man sich dort abgeschirmter auf die sportlichen Bewerbe vorbereiten könne, sagte der Niederösterreicher, der sich viel vom Olympiaturnier erwartet. "Eine Medaille ist zwar weit weg. Aber mit der derzeitigen Form ist einiges möglich. Seit Pörtschach habe ich ansprechende Leistungen gezeigt, und wenn das so weitergeht, bin ich in Peking in Hochform", so Melzer.

Vor der Umweltverschmutzung in Peking hat Melzer keine Angst, obwohl Tennis ein Freiluftsport ist. "Wir werden die Woche dort überleben. Wir können ja nicht hergehen und sagen, wir spielen dort nicht, nur weil die Luft schlecht ist. Wer damit am besten zurechtkommt, wird am weitesten kommen."

Zurückhaltend reagierte Melzer auf die Nicht-Nominierung von Paszek. "Sie hätte sich eine Nominierung aufgrund der Leistungen im Vorjahr sicher verdient. Die Beurteilung, ob das jetzt ungerecht ist, steht mir aber nicht zu. Das Positive ist, dass sie so jung ist, dass sie einige Spiele erleben wird."

Grünes Licht für die Beachvolleyballer
Aufatmen durfte man auch im heimischen Beachvolleyball-Lager: Alle vier mit internationalen Quotenplätzen ausgestatteten ÖVV-Paare wurden für die Olympischen Spiele nominiert.

Florian Gosch/Alexander Horst sowie Sara Montagnolli/Sabine Swoboda erfuhren vom positiven Entscheid schon am Sonntagabend, hatten davor aber wegen fehlender ÖOC-Normen um die Nominierung gebangt. "Super. Das ist ein Traum, der in Erfüllung geht", so Swoboda erleichtert. Montagnolli war sich der Sache wie ihre Partnerin nicht sicher. "Man hat ja doch gewusst, es gibt Härtefälle, die nicht mitfahren. Jetzt bin ich aber echt glücklich."

In der gleichen ungewissen Ausgangslage waren Gosch/Horst, nun haben sie es in ihrer erst zweiten gemeinsamen Saison zu den Spielen geschafft. "Das war unser Ziel, dass es so schnell funktioniert", erklärte Horst. "Jetzt bin ich aber natürlich schon sehr aufgeregt." Gosch war immer auf Olympia eingestellt, gab dann aber zu: "Der Sonntag war jetzt schon nervenaufreibend."

"Ich denke, wir haben es verdient"
Alle aus dem Quartett waren freilich stets überzeugt, dass die Erringung eines von je Geschlecht nur 24 internationalen Quotenplätzen ein gutes Argument für eine Peking-Entsendung ist. Gosch: "Ich denke, wir haben es verdient. Und ich weiß, bei Olympia ist für uns auch viel möglich."

Außer Frage stand die Nominierung der mit allen Normen ausgestatteten Teams Clemens Doppler/Peter Gartmayer sowie Doris und Stefanie Schwaiger.

Das drittgrößte Team im ÖOC-Aufgebot
Mit acht Athleten stellt der Volleyballverband nun das drittgrößte österreichische Aufgebot nach den Schwimmern und Seglern.

Bisher waren im Beachvolleyball im Jahr 2000 in Sydney Nik Berger/Oliver Stamm sowie 2004 in Athen Berger/Gosch und Robert Nowotny/Gartmayer dabei. Erstmals schafften es also auch ÖVV-Damen-Equipen zu den Spielen.

Links: