Was, wann und warum?

Das steckt hinter dem Erfolg von Bernhard Kohl.
Bernhard Kohl geht sensationell als Gesamtzweiter in die dritte und entscheidende Woche der Tour de France. ORF.at versucht, von A bis Z Erklärungen für die großartigen Leistungen des Niederösterreichers zu finden:

A wie Asthma: Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen leidet Kohl nicht seit der Geburt an chronischem Asthma. Er kann wie seine zahlreichen Fans befreit durch- und aufatmen.

B wie Bescheidenheit: An seinem Ziel konnten selbst die großartigen Erfolge bei der Tour de France nichts ändern: Kohl beharrt auf einem Top-Ten-Platz in Paris.

C wie Charisma: Wenn Kohl die Anstiege hinaufstürmt, weichen seine Fans wie einst bei Armstrong ehrfürchtig zurück. Sein Wackelkopf ist auf dem Weg zum Radsportkult.

D wie Doping: Die Antidopingwelle im Internationalen Radsport spülte den 26-Jährigen endgültig nach oben. Seine Ehrlichkeit wird nun belohnt.

E wie Ehrgeiz: Schon, aber nicht zu viel. Das scheint Kohls Devise zu sein, mit der er bisher gut fährt und vielleicht deshalb frischer als die Konkurrenz wirkt.

F wie Freundin: Eine solche hat er nicht und damit viel Zeit, sich seinem liebsten Hobby, dem Radfahren, zu widmen.

G wie Geheimniskrämerei: Ist Kohls Sache nicht. Während andere Fahrer im Training oft untertauchen, sind die Wege des heimischen Kletterkönigs stets nachvollziehbar.

H wie Holczer: Der Teamchef erhob den einzigen Gerolsteiner-Österreicher im Tourteam zur Nummer eins und erntet - seinen Kritikern zum Trotz - die Früchte seines Risikos.

I wie Indianer: Schon als Kind liebte er Winnetou-Filme. Die Fähigkeit zu leiden, kommt also nicht von irgendwo, kennen Indianer doch keinen Schmerz.

J wie Ja zu A: In Wien geboren und in Wolkersdorf aufgewachsen, lebt Kohl nun in Klagenfurt. Und er bleibt seiner Heimat wohl auch im Erfolg verbunden.

K wie Kleckse: Sie motivieren. Am Gelben Trikot sind keine, am Bergtrikot umso mehr rote Punkte. Noch zweimal durchbeißen und sein Platz in der Tour-Historie ist gesichert.

L wie Lernjahre: Das Rabobank-U23-Team war der Beginn einer Karriere, die sich beim T-Mobile fortsetzte und bei Gerolsteiner nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

M wie Mamas Küche: Ob Süßes oder Deftiges - Kohl ist ein Feinspitz, der sich nicht selten und zu Hause den Feinschliff bzw. die nötige Substanz für die lange Saison holt.

N wie Natürlichkeit: Kohl muss sich nicht hinter einem künstlichen Image verstecken. Er ist und bleibt was er immer war: ein junger und vor allem sympathischer Bursche.

O wie Olympia: Die Spiele steigen auch in vier Jahren wieder. Statt mit dem Kopf in Peking ist Kohl voll konzentriert auf Frankreichs Bergen zugegen.

P wie Paco: Landsmann, Team- und Trainingskollege Peter Wrolich manövrierte Kohl väterlich durch die Tücken des Profiradsports. Das Küken ist flügge geworden.

Q wie Querdenker: Nicht alles muss nach seinem Kopf gehen, manches schon. Und er hat seine eigenen Vorstellungen, was Training und Vorbereitung anlangt.

R wie Rauchfangkehrer: Kohls Lunge arbeitet auch bei dünner Luft auf Hochtouren, und die Abgase der Betreuerautos schnupft er im Vorüberfahren.

S wie Streitbar: Der kleine Kohl kann unangenehm werden. Er weiß sich zu behaupten, wenn ihm ungerechtfertigt und unnötig Steine in den Weg gelegt werden.

T wie Team: Gerolsteiner ließ ihm in der Vorbereitung alle Freiheiten. Kohl fühlt sich wohl - und revanchiert sich für das ihm geschenkte Vertrauen mit Topleistungen.

U wie Unbekümmert: Ob Gelbes Trikot oder Bergklassement, Galibier oder L'Alpe d'Huez - der Niederösterreicher kennt Druck nur vom Barometer.

V wie Verwegenheit: Trotz zahlreicher Stürze in der Vergangenheit: Kohl zeigt keine Scheu vor schnellen Abfahrten. Obwohl es manchmal und immer wieder schmerzt.

W wie Wintersport: Langlaufen und Tourengehen sind sein liebstes Training in der kalten Jahreszeit. Wenige Fahrer steigen später aufs Fahrrad als Kohl.

X wie X-Beine: Wie schnell Kohl erst damit wäre? Aber auch die O-Beine eines Radfahrers erfüllen ihre Aufgabe bisher zu seiner vollsten Zufriedenheit.

Y wie Youngster: Frisches Blut statt Fremdblut. Kohl kennt die Altlasten seiner Kollegen nur aus der Zeitung, wenn er diese denn lesen muss.

Z wie Zugpferd: Deutschland hatte "Ulle", wir haben "Kohli". Selbst Pensionär Georg Totschnig wird neidisch, wenn ganz Österreich auf Kohls Gepäcksattel sitzt.

Michael Fruhmann, ORF.at

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