Affäre mit weitreichenden Folgen

Gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen ÖOC und ÖSV.
Die Dopingaffäre bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin hat für Österreich noch immer weitreichende Folgen.

Die "unendliche Geschichte" hatte am 18. Februar 2006 mit einer auf IOC-Hinweis durchgeführten Razzia der italienischen Behörden in den Privatquartieren der österreichischen Langläufer und Biathleten ihren Anfang genommen.

Dabei wurde zahlreiches belastendes Material sichergestellt, die im Anschluss durchgeführten Dopingtests zehn österreichischer Athleten fielen allesamt negativ aus. Sie hätten aber Material besessen, das für die Transfusion von Blut und die künstliche Manipulation des Hämoglobinwertes geeignet sei. Allein der Besitz solcher Geräte ist verboten, schon Indizien reichen für eine Verurteilung.

Sechs Athleten ausgeschlossen
Ende April 2007 hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) Wolfgang Rottmann, Wolfgang Perner, Roland Diethart, Johannes Eder, Jürgen Pinter und Martin Tauber aufgrund ihrer Verwicklung lebenslang von Olympia ausgeschlossen.

Einen Ausschluss aller österreichischen Athleten von den Sommerspielen 2008 in Peking und den Winterspielen 2010 in Vancouver konnte das Österreichische Olympische Comite (ÖOC) zwar verhindern, stattdessen gab es vom IOC aber eine saftige Geldstrafe gegen das ÖOC.

ÖOC macht ÖSV verantwortlich
Dem ÖOC entgeht damit in den kommenden vier bis fünf Jahren insgesamt eine Million US-Dollar (741.290 Euro) an direkten und indirekten Fördermitteln durch das IOC.

Die ÖOC-Führung machte dafür den Österreichischen Skiverband (ÖSV) und dessen "schwerwiegendes Fehlverhalten" in der Aufarbeitung des Skandals von Turin verantwortlich. Der Skiverband wies das vorerst auf das Entschiedenste zurück und erklärte, dass die in die Affäre verwickelten Athleten vom ÖOC akkreditiert worden waren. "Eine Akkreditierung ist kein Freibrief", entgegnete ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth.

Um die nach den gegenseitigien Schuldzuweisungen eskalierte Situation wieder zu beruhigen, erklärte sich der ÖSV bereit, die Million dem ÖOC zweckgebunden zu überweisen. "Dieser Beitrag soll der Bekämpfung von Doping und der Verbesserung der medizinischen Betreuung insbesondere bei Olympischen Spielen dienen", hieß es damals in einer ÖSV-Aussendung.

Schröcksnadel tritt zurück
Am 29. Mai 2007 legte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel überraschend seine Funktion als ÖOC-Vizepräsident zurück. Freiwillig, wie es hieß. Die Vertrauensbasis zwischen ihm und dem ÖOC sei nicht mehr gegeben. "Ich habe erkannt, dass ich mich als Funktionär im ÖOC nicht eigne, zumal ich in dieser Funktion die Interessen des ÖSV und seiner Athleten nicht wie von mir gewohnt vertreten kann", begründete er seinen Rückzug.

Am selben Tag beschloss der ÖOC-Vorstand einstimmig, künfig 13 Betreuer des ÖSV nicht mehr für Olympische Spiele zu akkreditieren. ÖOC-Präsident Leo Wallner gab bekannt, dass Markus Gandler, Peter Baumgartl, Volker Müller, Alfred Eder, Walter Gapp, Walter Hörl, Heinz Mühlbacher, Stefan Rohrmoser, Emil Hoch, Andreas Eder, Gerald Heigl, Reinhard Neuner und Gerhard Urain keine Akkreditierung mehr für Olympische Spiele erhalten werden. Zudem wird auch der bis 2010 gesperrte Walter Mayer nicht mehr akkreditiert.

Künftig wird es nun auch ein wesentlich konsequenteres ÖOC-Pflichtenheft geben, mit dem man Vorfälle wie in Turin zu vermeiden hofft. Damit hatte das ÖOC seine Part vorerst erfüllt und das IOC einigermaßen zufriedengestellt.

ÖSV am Zug
Nun war wieder die Disziplinarkommission des ÖSV an der Reihe. In seinem Abschlussbericht wurde u. a. festgehalten, dass den mittlerweile zurückgetretenen Athleten Perner und Rottmann Blutdoping angelastet wird. Weiters hätten auch die früheren Trainer Mayer und Emil Hoch Doping in Form von verbotenen Methoden geduldet und aktiv unterstützt.

Im Gegensatz zu dem genannten Quartett wurden die 13 anderen im Zusammenhang mit dieser Causa genannten Personen von der Kommission von der Kollaboration quasi freigesprochen und auch in Schutz genommen.

Der Schlussbericht wurde an alle relevanten Institutionen wie das IOC, ÖOC, die FIS und vor allem den Inter Sportgerichtshof (CAS) weitergeleitet.

FIS sperrt Tauber, Diethart, Eder
Am 22. November 2007 sperrte daraufhin der Dopingausschuss der FIS die Langläufer Tauber, Eder und Diethart für zwei Jahre. Die Vorwürfe gegen Pinter wurden mangels Beweisen vorerst fallengelassen, die Untersuchungen gegen ihn laufen aber weiter.

Der Schlusspunkt unter das leidige Thema ist damit aber freilich wie sich aktuell zeigt noch immer nicht gesetzt.

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