ORF.at: Sind Sie von Bernhard Kohl persönlich enttäuscht?
Riha: Und wie. Ich glaube nicht, dass er weiß, was er dem österreichischen Radsport mit seinem Vergehen angetan hat. Sein Fall zeigte aber deutlich, welchen Schaden eine einzige Person anrichten kann.
ORF.at: Welche Konsequenzen hat sein Fall für die Österreich-Rundfahrt?
Riha: Die konkreten Auswirkungen sind noch nicht abschätzbar. Aber es gibt sie, ganz sicher. Der Radsport wurde in seiner Gesamtheit ins Schlamassel gezogen.
ORF.at: Wie reagierten die Sponsoren?
Riha: Genauso enttäuscht wie wir. Ich bekomme aber doch Zeichen, dass sie bereit sind, uns im Kampf gegen Doping zu unterstützen, um präventive Maßnahmen zu setzen. Ein Signal ist da. Inwiefern sich einzelne Sponsoren vom Radsport zurückziehen, ist vorerst nicht absehbar. Die einen reagierten sehr positiv und stellen sich hinter uns, die anderen sagten, der Radsport sei im Moment kein Thema mehr.
ORF.at: Bleiben die traditionellen Geldgeber?
Riha: Ja, gerade die erwarten sich von uns, dass wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Als Veranstalter sind wir ausgeliefert, vor Dopingfällen nicht gefeit. Das betrifft aber nicht nur mich als Organisatorin, das betrifft den gesamten Radsport. Sich einfach hinzustellen und den Verband zur Verantwortung zu ziehen ist allerdings Schwachsinn. Radprofis stehen nicht unter Verbandsobhut, vielmehr sind sie Angestellte ausländischer Firmen.
ORF.at: Der ÖRV steht Kohl sehr aufgeschlossen gegenüber.
Riha: Zunächst müssen wir abwarten, wozu Herr Kohl überhaupt bereit ist. Ob er bereit ist, intensive Mitarbeit zu leisten. Der Österreichische Radsportverband an sich macht sehr viel und unternimmt im Rahmen seiner Möglichkeiten alles, um Doping zu vermeiden, hat sogar als erster Verband eine unabhängige Dopingkommission eingeführt. Nun wanderten die Dopingagenden aber zur NADA (Österreichs Nationale Anti-Doping-Agentur, Anm.).
ORF.at: Wie würden Sie mit Dopern verfahren?
Riha: Ich bin für lebenslange Sperren. Absolut und ausnahmslos, Dopingsünder haben im Radsport nichts mehr verloren. Zu groß ist der Schaden, den sie beim ersten Mal angerichtet haben. Und dafür sollen sie nicht noch belohnt werden.
ORF.at: Welches Zeichen kann die Österreich-Tour gegen Doping setzen?
Riha: Diesbezüglich laufen Gespräche. Doch all das ist eine Kostenfrage. So viel Geld in die Hand zu nehmen, um flächendeckend zu kontrollieren, kann wahrscheinlich nur eine Tour de France. Doping ist nicht zu verhindern, uns sind die Hände gebunden. Wir hatten 2008 verschärfte Dopingkontrollen, im Vergleich zu den vergangenen Jahren dreimal so viel in Kontrollen investiert und zusätzlich zehn Personen für die Umsetzung engagiert. Der Organisator ist eben immer der Blöde.
ORF.at: Was meinen Sie damit?
Riha: Dass ich als Organisatorin die Tour finanzieren und auf die Beine stellen muss, ein Dopingfall aber kann immer und überall passieren. Davor sind wir nicht gefeit. Und das betrifft jede Veranstaltung egal welcher Sportart. Da werden Unsummen für Dopingtests ausgegeben, und als Lohn ernten die Veranstalter den Ausstieg der TV-Stationen. Wo Doping bekämpft wird, gibt es auch positive Fälle.
ORF.at: Fürchten Sie ein Schicksal wie das der Deutschland-Tour?
Riha: Der große Unterschied liegt darin, dass die Deutschland-Tour von einer großen Agentur veranstaltet wurde, in Österreich steht der Verband dahinter. Der ÖRV steht in der Pflicht, den heimischen Radclubs eine große Veranstaltung zu bieten. Finanzieren muss sich die Rundfahrt aber selbst. Auf keinen Fall darf dabei auf Gelder zurückgegriffen werden, die für die Nachwuchsarbeit bestimmt sind.
ORF.at: Glauben Sie an eine Neuauflage 2009?
Riha: Das ist noch nicht prognostizierbar. Derzeit sind wir damit beschäftigt, alles auf die Reihe zu bekommen. Schon 2008 wurde gemutmaßt, die Rundfahrt würde es nicht geben. Und doch gab es sie. Ich wäre froh, würden wir so eine Tour wie in diesem Jahr, mit tollem Starterfeld und großartigen Siegern, erneut zusammenbringen. Bis Ende dieses Jahres habe ich vom ÖRV Zeit bekommen, die 61. Auflage auf die Beine zu stellen, dafür zu kämpfen.
Das Gespräch führte Michael Fruhmann, ORF.at
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