"Dann ist die Rundfahrt gestorben"

"Gelingt dies nicht, ist die Österreich-Rundfahrt gestorben".
Die 60. Österreich-Rundfahrt soll nicht die letzte gewesen sein. Obwohl es nach den Ereignissen um Dopingsünder Bernhard Kohl auch Tour-Direktorin Uschi Riha schwerfällt, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Ihre Angst vor einem Schicksal wie dem der Deutschland-Tour, die nach dem Ausstieg von ARD und ZDF für 2009 abgesagt wurde, ist evident.

Schaden nicht abschätzbar
"Herr Bernhard Kohl weiß gar nicht, was er dem österreichischen Radsport damit angetan hat", hadert Riha gegenüber ORF.at. Das genaue Ausmaß des Schadens sei vorerst nicht abzuschätzen. Ebenso wenig könne sie dafür garantieren, dass die Österreich-Rundfahrt im nächsten Jahr sicher ausgetragen wird.

"Im Moment sind wir damit beschäftigt, die Probleme irgendwie auf die Reihe zu bekommen." Man dürfe nicht vergessen, dass auch die Jubiläumsrundfahrt 2008 wackelte "und schließlich doch stattfand". Die Gespräche laufen - mit alten Sponsoren, die positive Signale geben, und potenziellen neuen Sponsoren, die nach den jüngsten Skandalen enttäuscht reagierten und ihr Engagement neu überdachten.

Ambivalentes Verhalten
"Einige Firmen signalisierten derweil wieder Bereitschaft, uns im Kampf gegen Doping zu unterstützen, um präventive Maßnahmen setzen zu können." Für andere wiederum sei der Radsport kein Thema mehr. Für Riha ein ambivalentes Verhalten, das sich in der Reaktion der deutschen TV-Stationen, die nach Bekanntwerden der Fälle Kohl und Schumacher sowohl Tour de France wie auch Deutschland-Tour umgehend aus ihrem Programm strichen, manifestierte.

"Wir Organisatoren geben Unsummen für Dopingtests aus, zum Dank werden wir dafür bestraft. Wo Doping bekämpft wird, gibt es auch positive Fälle", erläutert Riha. "Dopingkontrollen sind aber eine Kostenfrage. Uns sind die Hände gebunden." Ohne Geldgeber keine Kontrollen. Wird kontrolliert und man dabei fündig, steigen die Sponsoren aus. Flächendeckende Kontrollen könne sich ohnehin nur die Tour de France leisten, mutmaßt Riha.

"Ultimatum bis Ende 2008"
Freilich werde auch in Österreich verschärft kontrolliert (der bisher letzte Dopingfall bei der Österreich-Rundfahrt, der Slowake Robert Nagy, rührt aus dem Jahr 2005, Anm.). Dreimal so viel Geld wie in den Jahren davor sei 2008 in den Anti-Doping-Kampf investiert, zusätzlich zehn Personen für ergänzende Kontrollen engagiert worden. "Jetzt brauchen wir das Geld erst recht, um die Rundfahrt auf gesunde Beine stellen zu können", plädiert Riha.

Das Ultimatum: "Bis Ende dieses Jahres habe ich vom Österreichischen Radsportverband (der als Veranstalter fungiert, Anm.) Zeit bekommen, die 61. Auflage zu sichern, dafür mit aller Kraft zu kämpfen. Finanzieren muss sich die Rundfahrt aber selbst, nicht mit Verbandsmittel." Gelingt das nicht, "ist die Österreich-Rundfahrt gestorben".

Michael Fruhmann, ORF.at

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