So aber schickt sich die 22-jährige amtierende Europameisterin im 8-Ball (Frauen) und WM-Dritte im 14.1 (Herren) an, mit ihrem Queue sogar die Männerwelt zu erobern. Über Neider und Träume spricht die Klagenfurterin im Interview mit ORF.at.
ORF.at: Was macht den Reiz des Herren-Billard für Sie aus?
Ouschan: Wer besser werden, lernen und Erfahrung sammeln möchte, muss mit den Besten spielen. Das sind im Billard die Herren. Ihre Klasse kommt aus der Masse, und Herren gibt es eben viele. Dass sich eine Dame noch dazu erfolgreich an Herren misst, zu beweisen, dass das möglich ist, Damen den Herren um nichts nachstehen, ist eine einzigartige Sache und ein besonderer Reiz.
ORF.at: Sie spielten schon immer gegen Herren. Warum?
Ouschan: Als ich begann, gab es in Österreich kaum Damen-Turniere, allein deshalb spielte ich von Anfang an bei den Männern mit. Warum auch nicht? Der körperliche Aspekt spielt keine wichtige Rolle, es gibt keinen Grund, der dagegen spricht.
ORF.at: Was unterscheidet Frauen und Männer beim Billard?
Ouschan: Der Level der Herren ist höher und steigt durch die Konkurrenz ständig. Herren spielen weit aggressiver und machen generell weniger Fehler, wodurch eigene Fehler härter bestraft werden. Das ist meine Motivation: zu wissen, dass ich gewisse Fehler nicht machen darf und meine beste Leistung abrufen muss, weil ich das Spiel sonst nicht gewinnen kann. Im Damen-Billard ist das einfacher.
ORF.at: Machen Sie gegen Damen deshalb mehr Fehler?
Ouschan: Auf dieses Problem kamen wir vor einigen Jahren. Durch den fehlenden Druck, die fehlende Herausforderung spiele ich weniger konzentriert. Auch, weil ich eben weiß, dass ich mir Fehler erlauben und eine Partie trotzdem für mich entscheiden kann. Bei den Herren spiele ich wesentlich besser. Wir sind aber auf einem guten Weg, diesen mentalen Aspekt auszuleuchten und zu bearbeiten und damit das Problem aus der Welt zu schaffen.
ORF.at: Wie stehen Ihre männlichen Gegner Ihnen gegenüber?
Ouschan: Um ehrlich zu sein, ich wurde belächelt und nicht ernst genommen. Doch wer professionell genug ist, sieht mein Können und meine Leistungen und nicht nur mein Geschlecht. Dennoch gibt es nach wie vor Kritiker, die sich gegen mich aussprechen. Ich hingegen glaube, dass ich eine würdige Gegnerin bin und mir deshalb wie jeder andere verdient habe, an den Herren-Turnieren teilzunehmen. Neid ist aber die beste Form der Anerkennung und motiviert mich noch mehr.
ORF.at: Irgendwann werden auch diese Kritiker verstummen.
Ouschan: Das ist nur eine Frage der Zeit. Für die Mehrheit der Spieler ist meine Anwesenheit mittlerweile in Ordnung, sie akzeptieren mich wenigstens, wie ich hoffe. Direkt habe ich darüber aber noch mit niemandem gesprochen, ich höre diese Dinge immer nur über drei Ecken, über Zeitungen, Foren oder sonst wo, jedoch nie persönlich.
ORF.at: Kritik kommt aber auch von den Damen. Wie gehen Sie damit um?
Ouschan: Warum das so ist, warum die eigenen Kolleginnen im Weg stehen, das versuchen wir seit längerer Zeit herauszufinden. Denn wir haben uns den Respekt der Herren verschafft und damit für Damen sogar erreicht, zu deren Turnieren geladen zu werden. Ein Meilenstein. Und nun legen die eigenen Damen mir Steine in den Weg. Das ist für mich unverständlich und schade.
ORF.at: Was sind die Ursachen dafür?
Ouschan: Dass meine Kolleginnen nicht so zukunftsorientiert denken wie mein Trainer Michael Neumann und ich. Vielleicht ändert sich das, wenn auch meine Kolleginnen die Chance erkennen und begreifen, was es heißt, dass wir nun bei den Herren mitmachen dürfen. Ich habe dem Damen-Billard mit meinen Erfolgen den Weg bereitet. Diese Möglichkeit ausgerechnet seitens der Damen wieder zu verbieten wäre ein Bärendienst und schlecht für unseren Sport im Allgemeinen.
ORF.at: Welchen sportlichen Traum wollen Sie sich erfüllen?
Ouschan: Ziele habe ich viele, aber ich träume davon, der beste Poolspieler der Welt zu sein. Ich will irgendwann als Legende in die Geschichte eingehen, als Dame, die etwas Einzigartiges und davor Unvorstellbares geschafft hat. Vielleicht sogar den WM-Titel bei den Herren. Um dieses Ziel auch zu erreichen, müssen wir konsequent und professionell weiterarbeiten. Denn wir sind erst am Anfang unseres Weges.
ORF.at: Können Sie vom Billardsport leben?
Ouschan: In Österreich garantiert nicht. Nur vom Preisgeld auch international nicht. Ohne medialen Erfolg und Sponsoren wäre das Leben selbst als erfolgreicher Billardsportler sehr dürftig.
Das Gespräch führte Michael Fruhmann, ORF.at
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