Contador büßt Zeit ein

Lance Armstrong könnte am Dienstag nach dem Gelben Trikot greifen.
Die dritte Etappe der 96. Tour de France hat am Montag überraschend einige Änderungen im Gesamtklassement gebracht.

Eine Spitzengruppe mit dem weiter führenden Schweizer Fabian Cancellara und US-Superstar Lance Armstrong kam auf der Flachetappe von Marseille über 196 Kilomter nach La Grande-Motte unerwartet 41 Sekunden vor einigen Mitfavoriten auf den Gesamtsieg, darunter auch der Spanier Alberto Contador, ins Ziel.

Der Tagessieg ging wie am Vortag im Sprint an den Briten Mark Cavendish, der sich vor dem Norweger Thor Hushovd durchsetzte.

Armstrong schiebt sich auf Podestplatz
Contador, Tour-Sieger 2007 und eigentlich Käpitän von Armstrong im Astana-Team, fiel vom zweiten auf den vierten Gesamtrang zurück, 19 Sekunden hinter dem siebenfachen Tour-Sieger.

Armstrong machte hingegen gleich sieben Plätze gut und ist nun Dritter, 40 Sekunden hinter Cancellara (Saxo-Bank) und nur sieben hinter dem zweitplatzierten Deutschen Tony Martin, einem Columbia-Highroad-Teamkollegen von Cavendish.

"Kein Hinterhalt"
"Ich habe die Tour siebenmal gewonnen. Ich verdiene etwas Anerkennung", kommentierte der in "Psychospielchen" geübte Armstrong die Kapitänsfrage bei Astana.

Dass er Contador übertölpeln konnte, sei nicht geplant gewesen. "Es war kein Hinterhalt", wies der Texaner Spekulationen über eine teaminterne Revolte zurück.

Mitfavoriten verpassen Anschluss
Das Geschehen auf der Flachetappe durch das Rhone-Delta und die Camargue hatte eine vierköpfige Ausreißergruppe geprägt. Das Quartett hatte zeitweise über 13 Minuten Vorsprung, wurde vom Feld aber 28 Kilometer vor dem Ziel eingeholt.

Kurz davor hatte sich das Hauptfeld bei starkem Seitenwind geteilt. Einige der Mitfavoriten wie Contador, der Australier Cadel Evans und der spanische Vorjahressieger Carlos Sastre verpassten im Gegensatz zu Armstrong und Cancellara den Anschluss.

Das Columbia-Team des Topsprinters Cavendish war mit dem Österreicher Bernhard Eisel und drei weiteren Fahrern in der ersten Gruppe von rund 30 Fahrern vertreten und führte den erst 24-jährigen Briten schließlich zum zweiten Etappensieg in Folge, dem sechsten bei der Tour insgesamt. Eisel belegte schließlich zeitgleich mit Contador Platz 39.

Armstrong greift nach dem Gelben Trikot
Am Dienstag steht ein Mannschaftszeitfahren über 39 km in Montpellier auf dem Programm. Armstrong winkt damit vier Jahre nach seinem letzten Tour-Auftritt in Gelb wieder das "Maillot Jaune" - ein Sieg mit mehr als 40 Sekunden Vorsprung auf Saxo-Bank vorausgesetzt.

Armstrong hatte den Zeitfahrkurs vor dem Tour-Start unter die Lupe genommen und war beeindruckt: "Rauf, runter, links, rechts - eine richtige Achterbahnfahrt", beschrieb der siebenfache Tour-Sieger den Parcours.

Das Reglement verschärft die Situation für die schwächeren Teams. Eine Zeitdeckelung gibt es nicht mehr, die tatsächlichen Rückstände fließen in die Gesamtwertung ein.

Wiederholt sich die Geschichte?
Das letzte Teamzeitfahren bei der Tour fand 2005 statt: Discovery Channel gewann, und Armstrong schlüpfte ins Gelbe Trikot. Dieses Szenario ist auch für Dienstag vorgesehen, zumindest wenn es nach der Astana-Equipe geht. Eines ist aber sicher: Contador muss auf Gelb vorerst einmal verzichten.

Die heurige Tour verspricht jedenfalls noch sehr interessant zu werden - besonders im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Contador und Armstrong.

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