Konsequenzen gezogen

"Mir fehlt aus distanzierter Sicht jede Nachvollziehbarkeit."
Gunnar Prokop ist am Dienstag als Trainer von Österreichs Handball-Serienmeister Hypo Niederösterreich zurückgetreten.

"Ich habe mein Traineramt bereits zurückgelegt und werde versuchen, diese Situation mit einem Psychologen aufzuarbeiten", wurde der 69-Jährige in einer von ihm unterschriebenen Pressemitteilung des Vereins zitiert.

"Es tut mir mehr als leid"
Der 69-Jährige hatte am Donnerstag beim Champions-League-Heimspiel gegen Metz (27:27) mit einem absichtlichen Foul an einer Gegenspielerin entscheidend in die Partie eingegriffen.

"Es war ein Fehler, einige Minuten nach dieser Situation überhaupt zu einem Interview zu gehen. Meine psychische Situation war keinesfalls bereits verarbeitet. Ich war emotional unverändert 'nicht anwesend'. Heute sehe ich das völlig anders. Es tut mir mehr als leid", sagte Prokop.

Anleihe bei Rehhagel
Prokop, der mit seinen Meinungen im Sport und abseits davon polarisiert wie kaum ein anderer in Österreich, erinnerte in diesem Zusammenhang an Otto Rehhagel, einen der weltweit erfolgreichsten Fußballtrainer.

Der Deutsche hatte einst den Satz gesprochen: "Ein Trainer darf zwei Stunden nach einem emotionalen Spiel nicht ernst genommen werden."

"Ich kann mich nur bei der gegnerischen Mannschaft, der betroffenen Spielerin und der Sportwelt für mein unüberlegtes und unverzeihliches Fehlverhalten entschuldigen."

"Unentschuldbare Fehlreaktion"
Am Anfang seines Schreibens hatte der erfahrene Hypo-Manager versucht, eine mögliche Erklärung zu finden. "Ich möchte die unentschuldbare Fehlreaktion meinerseits in keiner Weise schönfärben."

"Möglicherweise lässt sich diese Reaktion psychologisch begründen. Mir selbst fehlt - aus heutiger, distanzierter Sicht - jede Nachvollziehbarkeit. Ich glaube, dass auch aus fachlich-psychologischer Sicht es als ausgeschlossen gelten kann, dass mein Verhalten bewusst oder gar überlegt war, sondern vielmehr eine Kurzschlusshandlung."

"Das sogenannte Lachen im Nachhinein war offensichtlich das verlegene Lächeln des sich seiner Schuld bewussten Missetäters, der selbst keine Begründung seines Fehlverhaltens geben kann", so Prokop.

"Hätte nicht vorkommen dürfen"
Auslöser der "unverzeihlichen Situation" wäre nach einer "unbegreiflich schlechten Leistung meiner Mannschaft und einer Vielzahl tendenziöser Entscheidungen" des Schiedsrichterduos ein einige Sekunden vor Spielende nicht gegebenes Foul an Daniela Pidade gewesen. "Aus meiner Sicht sollte dadurch der Spielverlauf massiv zu unseren Ungunsten beeinflusst werden", mutmaßt Prokop.

Der unmittelbar danach erfolgte Gegenstoß von Metz sei gerade in der "Phase meiner noch unverarbeiteten Emotionen" passiert. "Mir ist bewusst, dass eine (Fehl)Reaktion wie die gegenständliche schon allein aufgrund meiner 37-jährigen Tätigkeit mit über 270 Europacup-Partien und mehr als 500 Länderspielen nicht vorkommen dürfe", gestand der erfahrene Hypo-Funktionär.

Entscheidung über Nachfolger noch offen
Wer den Trainerposten bei Hypo übernehmen wird, ist vorerst noch nicht entschieden. Die Zeit drängt aber, denn bereits am Sonntag steht das nächste Champions-League-Spiel gegen Krim Ljubljana auf dem Programm.

Harte Strafe durch EHF droht
Prokop droht eine harte Strafe des Europäischen Handballverbandes (EHF). Der Verband hatte nach dem Foul ein Verfahren eingeleitet, ein Urteil wird für Mittwoch erwartet.

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