Offene Worte des Italien-Legionärs

Garics über Ivanschitz: "Ich glaube, dass er mit seiner Qualität ins Team reingehört."
Vor, bei und nach der Heim-EM 2008 war György Garics bei den Vorgängern von Dietmar Constantini als rechter Außenverteidiger gesetzt. Seit der 54-jährige Tiroler allerdings das Amt des ÖFB-Teamchefs übernahm, kam er bisher nur zu 45 Minuten Einsatzzeit.

Wenige Tage vor dem Länderspiel gegen Spanien hält der Italien-Legionär mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg und brachte sein Unverständnis über einige Vorkommnisse rund um das ÖFB-Team zum Ausdruck.

So würde Garics etwa Andreas Ivanschitz oder Martin Stranzl gern in der ÖFB-Auswahl sehen und dafür härtere Zugangskriterien für Youngsters schaffen. Differenzen gibt es mit Teamchef Dietmar Constantini auch in der Frage der Definition eines Außenverteidigers.

Ivanschitz "gehört ins Team"
Garics wundert sich, warum der aktuelle Topscorer der deutschen Bundesliga und der Innenverteidiger eines russischen Titelanwärters im Moment nicht gut genug für die ÖFB-Auswahl sein sollen.

"Ich war der erste Gegner von Andi, das habe ich ihm auch immer wieder gesagt. Als er nicht gespielt hat, war ich einverstanden, dass er nicht geholt worden ist", sagte der 25-Jährige.

Mittlerweile aber sei die Situation eine andere. "Ich glaube, dass er mit seiner Qualität ins Team reingehört. Man schießt in Deutschland nicht umsonst diese Tore, bringt diese Leistungen und diese Assists."

"Stranzl muss dabei sein"
Ähnliches gelte auch für Stranzl. "Als er nicht gespielt hat, war ich auch einverstanden, dass er nicht dabei war. Leider zählt im Fußball nicht die Vergangenheit, sondern nur das, was du zurzeit bringst und was du noch bringen wirst. Doch wenn er bei seinem Club spielt, muss er meiner Ansicht nach dabei sein."

"Im Team müssen die Besten spielen"
Mit dem Sager von Josef Hickersberger über "die Besten" und "die Richtigen" kann Garics wenig anfangen. "Die Besten und die Richtigen gibt es nicht. Auf jeder Position im Nationalteam müssen die Besten spielen. Ob die jetzt 17 oder 33 Jahre alt sind, soll völlig egal sein", forderte der gebürtige Ungar.

Der Rechtsverteidiger kann mit der Vorgehensweise von Constantini, junge Spieler schon nach wenigen gelungenen Auftritten in der Liga zum ÖFB-Team zu holen, wenig anfangen. "Wenn ein Spieler bei seinem Verein zwei-, dreimal gut gespielt hat und jung ist, soll das nicht heißen, dass er im Team einen fixen Platz hat. Denn das muss verdient sein."

Entscheidung liegt bei Constantini
Zwar liege die Entscheidung beim Nationaltrainer ("Er ist dafür bestimmt worden und dafür auch verantwortlich"), dennoch würde sich Garics wünschen, dass eine Bestätigung des ersten "Strohfeuers" erfolgen sollte.

Die Youngsters müssten erst einmal beweisen, dass sie über einen längeren Zeitraum gute Leistungen bringen können. "Warum kaufen Topvereine keine Spieler nach einer guten Saison? Die warten alle auf eine Bestätigung. Auf hohem Niveau funktioniert das so, und genauso sollte es hier (im ÖFB-Team) sein."

Garics möchte offensiver spielen
Auch im Zusammenhang mit der Interpretation der Rolle eines Außenverteidigers ist Garics nicht einer Meinung mit Constantini. Der Tiroler verlangt auf dieser Position von seinen Spielern, ihre Offensivaktionen deutlich einzuschränken.

"Der Teamchef hat immer angesprochen, dass er möchte, dass hinten trocken gespielt wird. Aber ich glaube, im heutigen Fußball wird es immer wichtiger, dass die Außenverteidiger Offensivdrang haben", erklärte Garics, zeigte aber auch ein bisschen Verständnis.

"Weil wir im Team meistens Außenseiter sind, ist es sicherlich eine Art und Weise, sich zu schützen." Aber sei zu akzeptieren, dass der Trainer die Taktik bestimme.

Qualitäten unter Beweis gestellt
Er selbst habe seine Qualität in Italien über einen längeren Zeitraum unter Beweis gestellt. "Ich spiele in Italien nicht, weil ich schöne Augen habe oder ein netter Bub bin. Da wird schon die Leistung gebracht", erklärte Garics, der aufgrund der Verletzung von Franz Schiemer gegen Spanien wohl von Beginn an spielen wird.

Mit dem Szenario eines längerfristigen ÖFB-Reservistendaseins will er sich jedoch nicht beschäftigen. "Eigentlich liegt alles in meiner Hand. Er ist der Trainer, ich muss das machen, was er von mir verlangt und wenn er der Ansicht ist, dass ich das gut mache, dann wird es sicher kein Problem sein."

"Sage das, was ich mir denke"
Als ewiger ÖFB-Bankerldrücker will Garics aber nicht enden. "Wenn er (Constantini, Anm.) sagt, ich mache nicht das, was er von mir verlangt, kann man in weiterer Zukunft über andere Entscheidungen sprechen, weil ich immer wieder sage: Urlaub machen beim Nationalteam gefällt mir nicht."

Den Mund werde er sich auch künftig nicht verbieten lassen. "Entweder sage ich das, was ich mir denke, oder gar nichts. Das kann vielleicht hie und da nicht ganz sympathisch rüberkommen, aber ich habe in der Früh einen Spiegel vor mir, und da möchte ich immer gern reinschauen."

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