Nürnberg-Sieg mit Folgen

"Das war halb verrückt."
Brutale Fouls, neun Gelbe Karten, doppelt so viele Torchancen und die Entscheidung erst in der Nachspielzeit: Eine solch atemberaubende Partie wie die 2:3-Niederlage des VfL gegen den 1. FC Nürnberg hat es in Wolfsburg noch nie gegeben.

"Das war halb verrückt", sagte VfL-Stürmer Grafite, während Nürnbergs Doppeltorschütze Albert Bunjaku erklärte: "So ein Spiel habe ich noch nie erlebt." Manager Martin Bader gab nach dem ersten Auswärtssieg seines Vereins zu: "Das war Adrenalin pur."

Tritt zwischen die Beine mit Nachspiel
Der siegreiche "Club" muss allerdings mit einem Nachspiel wegen einer nicht geahndeten Attacke von Torhüter Raphael Schäfer gegen Zvjezdan Misimovic rechnen: Er trat dem VfL-Spielmacher von hinten zwischen die Beine. "Die Bilder waren eindeutig", gestand Nürnbergs Coach Michael Oenning und meinte damit auch den Kung-Fu-Tritt von Martin Wolf gegen den Kopf von Edin Dzeko.

Dieses Foul hat aber keine späten Auswirkungen, weil der schwache Schiedsrichter Markus Schmidt nach Rücksprache mit seinem Assistenten nachträglich auf Foul entschied und so eine Tatsachenentscheidung entstand. Schäfers brutales Nachtreten hingegen blieb auf dem Platz folgenlos, obwohl es Rot verdient hätte - und dürfte daher ein Fall für die Sportgerichtsbarkeit des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) werden.

Ausreichend Gesprächsstoff
"Schade, dass man nach so einem Spiel mit Szenen konfrontiert wird, die nicht so in unsere emotionale Welt passen", meinte Oenning, dessen Freude über die drei Punkte entsprechend verhalten war. "Über dieses Spiel kann man noch tagelang reden", sagte der Nürnberger Trainer zu den umstrittenen Szenen.

Doch bei allen Diskussionen blieben auch Fakten. Nach vielen vergebenen Torchancen in der ersten Hälfte erzielten Albert Bunjaku (56., 64.) und Peer Kluge (93.) aus einem späten Konter die Nürnberger Treffer. Die Wolfsburger kamen durch Ashkan Dejagah (59.) und Grafite (79./Foulelfmeter) zweimal zum Ausgleich, zeigten jedoch eine erschreckend schwache Leistung in der Defensive.

90 Minuten rauf und runter
"Ich schreie permanent rein, dass wir hinten einen Mann mehr haben müssen", berichtete VfL-Coach Armin Veh - doch das war vergeblich: "Das passt zu dem ganzen Tag. Da muss man cleverer sein." Die Partie ging tatsächlich fast 90 Minuten rauf und runter. "Es war mit offenem Visier, das war nicht gewollt", erklärte Oenning.

Neun Schüsse auf das Tor jeder Mannschaft drückten das Geschehen in Zahlen aus. Allein bis zur 22. Minuten hatten die Gäste bereits ein halbes Dutzend bester Einschussmöglichkeiten, ehe der VfL überhaupt aufwachte. "Wir haben in der Defensive fast keine Zweikämpfe gewonnen. Es hätte schon zur Halbzeit 4:4 oder 5:5 stehen können", kritisierte Veh. "Das war hinten fahrig, und das war nicht das erste Mal in dieser Saison."

Bremer deklassieren Freiburg
Werder Bremen feierte einen 6:0-Kantersieg beim SC Freiburg. Hugo Almeida (33., 57.), Marko Marin (55.), Mesut Özil (67.), Naldo (73./Elfmeter) und Markus Rosenberg (82.) trafen beim Schützenfest des Europa-League-Gegners der Wiener Austria. Sebastian Prödl gab ab der 76. Minute sein Comeback im Team von Trainer Thomas Schaaf.

Die Bremer (26 Punkte) liegen nun in der Tabelle nur noch einen Punkt hinter Spitzenreiter Bayer Leverkusen (27), die Werkself holte am Sonntag im Auswärtsspiel bei Bayern München ein 1:1 (1:1).

Neuntes Saisontor für Kießling
Mario Gomez brachte die Hausherren in der achten Minute mit 1:0 in Führung, Stefan Kießling (14.) traf vor 69.000 Zuschauern mit seinem neunten Saisontor für Leverkusen kurz darauf zum 1:1-Endstand. Die Bayern zogen mit 21 Punkten an Meister Wolfsburg vorbei und verbesserte sich in der Tabelle auf Platz sieben.

Dritter ist Schalke 04 (25) nach einem 2:0-Heimsieg gegen Hannover 96 (im ersten Spiel nach dem Selbstmord von Robert Enke), den Jefferson Farfan (70.) und Jan Moravek (91.) sicherstellten.

Mainz 05 holte ein 0:0 bei Borussia Dortmund vor 74.600 Zuschauern. Der Aufsteiger liegt als Sechster (22 Punkte) überraschend im Spitzenfeld. Andreas Ivanschitz wurde von Coach Thomas Tuchel diesmal ganz vorne aufgeboten, konnte sich aber nicht entscheidend in Szene setzen. Der neuntplatzierte BVB (18), dessen Coach Jürgen Klopp bis Sommer 2008 18 Jahre in Diensten des Gegners gestanden war, ist schon sechs Spiele ungeschlagen.

Korkmaz verliert mit Frankfurt
1899 Hoffenheim (23) hielt mit einem klaren 4:0-Sieg beim 1. FC Köln den Anschluss zur Tabellenspitze. Carlos Eduardo (5.), Chinedu Obasi (10.), Demba Ba (46.) und Vedad Ibisevic (90./Foulelfmeter) sorgten für den Triumph, bei dem die beiden Österreicher Andreas Ibertsberger (verletzt) und Ramazan Özcan nicht im Kader standen.

Nichts zu feiern hatte der Ex-Rapidler Ümit Korkmaz. Der Mittelfeldspieler, der bis zur 87. Minute mitwirken durfte, verlor mit Eintracht Frankfurt (16) im eigenen Stadion gegen Borussia Mönchengladbach (15) mit 1:2.

Im Abstiegskampf Luft verschaffen konnten sich im direkten Duell weder der VfB Stuttgart (11) noch Schlusslicht Hertha BSC (5). Das 1:1 brachte beide Teams nicht wirklich weiter, Hertha erzielte nach 490 Minuten durch Gustav Ramos (49.) immerhin wieder einmal ein Tor.

Deutsche Bundesliga

Samstag:
KölnHoffenheim0:4
FrankfurtMönchengladbach1:2
FreiburgBremen0:6
SchalkeHannover2:0
StuttgartHertha BSC1:1
WolfsburgNürnberg2:3
DortmundMainz0:0

Sonntag:
Bayern MünchenLeverkusen1:1
Hamburger SVBochum-:-

Tabelle:
1.Bayer 04 Leverkusen1376026:927
2.Werder Bremen1375129:1026
3.FC Schalke 041374221:1225
4.1899 Hoffenheim1372424:1123
5.Hamburger SV1265127:1623
6.1. FSV Mainz 051364319:1722
7.FC Bayern München1356219:1121
8.VfL Wolfsburg1363425:2321
9.Borussia Dortmund1346313:1518
10.Hannover 961344516:1616
11.Eintracht Frankfurt1344514:2016
12.Borussia Mönchengladbach1343615:2115
13.SC Freiburg1341816:3013
14.1. FC Nürnberg1333712:2012
15.1. FC Köln133377:1512
16.VfB Stuttgart1325611:1611
17.VfL Bochum1222812:258
18.Hertha BSC Berlin1312108:275

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