Die UEFA bittet Vertreter der neun betroffenen Verbände am Mittwoch zum Rapport nach Nyon, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) setzt eine Taskforce ein, und Politiker diskutieren Gesetze und mögliche Handhabungen, wie sie des organisierten Wettbetrugs Herr werden könnten.
Verbot von Livewetten?
Deutschlands Politik diskutiert bereits Verbote von Livewetten und ein Gesetz gegen Sportbetrug, wenngleich die Möglichkeiten begrenzt sind. Trotzdem will die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) eine energische Antwort setzen.
"Vor allem die Fußball-Live-Wetten sind fragwürdig. Die Manipulationsmöglichkeiten sind um ein Vielfaches höher, wenn man auf die nächste Gelbe oder Rote Karte wetten kann. Da ist es sicher nicht so schwer, Verabredungen zu treffen. Das hat mit dem eigentlichen Sport nichts mehr zu tun, das ist völlig ausgeufert", sagte Freitag.
Beckenbauer gegen Variationsmöglichkeiten
Auch Bayern-Präsident Franz Beckenbauer sprach sich gegen zu viele Variationsmöglichkeiten bei Fußballwetten aus. "Ich wusste gar nicht, wie viele Wetten man machen kann. Ich dachte immer: Sieg, Niederlage, Unentschieden. Jetzt kannst du ja wetten, wer die ersten grauen Haare bekommt, wer den Elfmeter macht, wer die erste Gelbe Karte bekommt. Damit macht man das Spiel manipulierbar."
Erwin Horak, Verantwortlicher für Deutschlands staatliche Sportwette Oddset, erklärte: "Ein Sportwettenangebot mit Livewetten oder Wetten auf Ereignisse während des Spiels verschärft die Manipulationsgefahren für den Sport. Jetzt kommt es darauf an, dass die zuständigen Behörden das Verbot von Sportwetten im Internet nachhaltiger durchsetzen."
Asien und Internet als Problem
Wirklich eindämmen lassen sich die Betrugsmöglichkeiten trotz aller guten Vorsätze nur schwer, denn mit dem Wettmarkt in Asien und den Wetten im Internet werden gesetzliche Beschränkungen umgangen. "Wir werden diese Grauzonen in Asien und anderen Regionen weiter haben", gestand Freitag eine gewisse Hilflosigkeit aufseiten des Gesetzgebers ein.
Auch die Firma Sportradar, die im Auftrag der UEFA die Wettquoten von Fußballspielen der ersten und zweiten Ligen in allen 53 Mitgliedsstaaten der UEFA überwacht, sieht darin ein Problem der lückenlosen Überwachung, denn viele Firmen bewegten sich in einem illegalen Bereich.
Darabos fordert "härteste Strafen"
In Österreich, wo elf Partien unter Manipulationsverdacht stehen, plädierte unterdessen Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) für "härteste Strafen". Ein höheres Strafmaß als bei Doping sei angebracht, denn immerhin seien Zehntausende Menschen geschädigt worden.
Er wolle zwar nicht in die Autonomie der Verbände eingreifen, so Darabos. Sollten sich die Vorwürfe aber bewahrheiten, sollten involvierte Vereine aus dem Spielbetrieb der laufenden Meisterschaft ausgeschlossen werden. Es müsse jedenfalls "ein klares Signal her".
Von gesetzlicher Seite hält der Sportminister, der in der Aufklärung der Vorfälle vor allem ÖFB und Bundesliga gefragt sieht, keine Änderungen für nötig, man könne hier kaum bessere Bedingungen schaffen. Der Betrugsparagraf im Strafgesetzbuch umfasse die vorliegenden Fälle. In der Bekämpfung müsse man auf ein besseres Wettsystem setzen.
DFB alleine überfordert
In Deutschland sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger der ermittelnden Staatsanwaltschaft Bochum, die weiterhin keine Namen von möglichen Tätern und verdächtigen Spielpaarungen nennt, die volle Unterstützung des Verbandes zu.
Laut Zwanziger kann nämlich die Sportgerichtsbarkeit allein nichts gegen eine Wettmafia ausrichten. "Ein Sportverband ist absolut überfordert, organisierte Kriminalität, auch noch mit internationalem Charakter, allein zu bewältigen."
"Kein Verband, keine Liga, kein Frühwarnsystem der Welt ist in der Lage, Spielmanipulationen zu 100 Prozent auszuschließen", sagte DFB-Generalsekretär Christian Seifert.
Link: