"Wir kommen mindestens ins Finale", versicherten am Dienstagabend einige der rund 100 nach Linz mitgereisten isländischen Fans trotz des unglücklichen Remis gegen Serbien. Und auch der isländische ÖHB-Teamchef Dagur Sigurdsson zollt seinen Landsleuten vor dem emotionalen Duell am Donnerstag (18.00 Uhr, live in ORF1 und im Livestream) größten Respekt.
"Nach jedem Rückschlag noch stärker"
"Sie haben wahnsinnige Routine und Charakter", betonte der langjährige Teamkapitän der Isländer. "Da sind einige Charaktere drinnen, die nicht ganz normal sind." Vor allem nach dem unnötigen Punktverlust gegen die Serben erwartet Sigurdsson seine ehemaligen Mannschaftskollegen doppelt und dreifach motiviert. "Sie werden kämpfen wie die Schweine, spielen wie die Verrückten."
Der 36-jährige ÖHB-Coach kennt die isländische Mentalität nur zu gut. "Nach jedem Rückschlag kommen sie noch stärker zurück", so Sigurdsson, der sich auch nicht wirklich erklären kann, wie ein so kleines Land in einer Teamsportart solch spektakuläre Erfolge wie Olympia-Silber 2008, den fünften WM-Platz 1997 oder EM-Rang vier im Jahr 2002 feiern kann.
Frühe Erfahrung macht sich bezahlt
"An der Menge der Leute kann es nicht liegen", scherzte er. "Die Vorbildsache ist eben sehr wichtig, wie in Österreich bei den Skisportlern." Dass viele Isländer in starken ausländischen Ligen spielen und die heimische Meisterschaft daher ein fruchtbares Talentebecken ist, sei jedenfalls ein wichtiger Faktor. "Viele Spieler bekommen mit 16 oder 17 die Chance, in der ersten Liga zu spielen. Dadurch sind sie mit 25 fertige Handballer."
Diese fertigen Routiniers - kaum ein anderes EM-Team weist so viel Erfahrung und absolvierte Länderspiele auf - wird Island am Donnerstag also wieder einmal für zumindest eineinhalb Stunden elektrisieren. Die TV-Einschaltquoten werden prozentuell enorm sein und für die von der internationalen Wirtschaftskrise stark betroffenen Menschen ist es laut Sigurdsson die bestmögliche Ablenkung.
Nicht zu vergleichen
"Wenn die isländische Nationalmannschaft spielt, ist der kalte, dunkle Jänner vergessen", weiß der ÖHB-"Überläufer". Der Stellenwert von Handball in Island und vor allem der eines großen Turniers sei eben mit keinem anderen Land vergleichbar. Genausowenig wie die Popularität der besten Handballer wie eben Stefannson oder auch sein Clubkollege bei den Rhein-Neckar Löwen, Gudjon Valur Sigurdsson.
Dass in Island ein Handballer zum Sportler des Jahres gewählt wird, ist normal. Und die Tränen in den Augen der auf den Tribünen in Linz verzückten weiblichen Fans sind auch nicht nur auf bierselige Rührung zurückzuführen. "Das Handballteam ist das sportliche Flaggschiff Islands", fasst der mittlerweile auch ein bisschen "österreichische" Sigurdsson zusammen. Am Donnerstagabend wird daher eine ganze Nation auf einen Sieg gegen Österreich hoffen.
Harald Hofstetter, ORF.at aus Linz
Links: