"Russischer Bär" erlegt

Sieg gegen Russland krönt historische EM-Leistung der ÖHB-Auswahl.
Österreichs Nationalmannschaft hat die altehrwürdige Wiener Stadthalle am Donnerstag noch einmal ordentlich wackeln lassen. Das ÖHB-Team gewann sein letztes Spiel bei der Heim-EM gegen den vierfachen Olympiasieger Russland mit 31:30 (17:15) und beendete das Turnier damit noch vor der Handball-Großmacht Deutschland auf dem sensationellen neunten Gesamtrang.

©Bild: AP/Hans Punz
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Nach dem Vorrundenremis gegen den Halbfinalisten Island und dem Sieg über Serbien kamen die Österreicher also auch in der Hauptrunde zu ihrem verdienten Erfolgserlebnis. Vor 8.500 begeisterten Zuschauern feierte das Team von Dagur Sigurdsson ein Handballfest und schloss die Gruppe eins in Wien noch vor den Russen auf Rang fünf ab.

EM-Begeisterung in Wien
Schon bei der Präsentation der Mannschaften merkte man, dass der Funke in den letzten zehn Tagen auf das heimische Publikum übergesprungen war. "Dagur und seine starken Männer" starteten gegen den "russischen Bären" aber zu hektisch und lagen nach sechs Minuten 2:5 zurück. Vor allem die Flügel Robert Weber und Konrad Wilczynski hatten ihr Visier zu Beginn noch nicht richtig eingestellt.

Mit der Unterstützung der Fans und einer konsequenten 5:1-Deckung vor Keeper Nikola Marinovic kämpften sich Viktor Szilagyi und Co. in die Partie. Der ÖHB-Kapitän verwandelte nach exakt 15 Minuten einen Siebenmeter zum 6:6, wenige Augenblicke später parierte der immer stärker werdende Marinovic einen Strafwurf. Weber sorgte mit dem 7:6 (17.) für die erstmalige Führung.

Mannschaft und Trainer geigten auf
Da Marinovic weiter ein großartiger Rückhalt war, der immer wieder hart attackierte Szilagyi die Angriffe souverän führte und die Würfe nun überlegter genommen wurden, konnten Wilczynski mit zwei herrlichen Gegenstößen sowie Patrick Fölser mit einem Durchbruch auf 13:10 (25.) erhöhen. Die Russen ließen nicht locker und kamen wieder auf ein Tor heran, im Finish der ersten Hälfte schlug aber wieder Trainerfuchs Sigurdsson zu.

Während Bernd Friede eine Zweiminutenstrafe absaß, brachte der ÖHB-Teamchef wie schon einige Male bei dieser EM einen sechsten Feldspieler - diesmal wechselte "Indianer" Schlinger aber knapp vor dem Torwurf mit Backup-Goalie Thomas Bauer und verhinderte so einen unmittelbaren Gegentreffer. Trotz Unterzahl retteten die Österreicher damit eine 17:15-Führung in die Halbzeit.

Bauer ist wieder da
Nach dem Seitenwechsel blieb Bauer im Tor und brachte die Zuschauer mit drei Paraden sofort wieder auf Betriebstemperatur. Der unermüdliche Kreis-Haudegen Matthias Günther stellte auf 18:15, und Sigurdssons Schützlinge ließen sich auch in einer Vier-gegen-sechs-Unterzahl nicht von ihrem Weg abbringen. Als Günther mit seinem vierten Treffer des Spiels zum 21:18 (37.) traf, stand die Stadthalle kopf.

Ein zeitstrafenbedingtes Kuriosum folgte dann in der 39. Spielminute, als zwei (!) russische Feldspieler gegen vier Österreicher das 20:22 erzielten. Überhaupt war die zweite Hälfte von unzähligen Strafen und Unterbrechungen geprägt, die Russen kamen damit ganz gut zurecht und glichen nach einem von Szilagyi vergebenen Siebenmeter zum 23:23 (46.) aus. Schwache Nerven durfte man bei diesem Match nicht haben, keine drei Minuten später stand es 26:23 für Österreich.

Dramatik pur
Marinovic kehrte im Finish zurück ins Tor der Österreicher, die in der Deckung bis zum Umfallen kämpften. Im Angriff suchten sie ihr Glück immer wieder erfolgreich über außen und im schnellen Konter. Das 29:25 (53.) durch Schlinger roch zumindest schon ein bisschen nach Vorentscheidung, durch die Stadthalle schallten da längst "Immer wieder Österreich"-Sprechchöre.

©Bild: Reuters/Nikola Solic
©Bild: Reuters/Nikola Solic

Obwohl von Durchatmen bis zwei Minuten vor Schluss keine Rede war, bestach das ÖHB-Team auch bei seinem letzten Auftritt mit Mut, Kampfgeist und unbändigem Willen. Marinovic hielt noch drei "Unhaltbare", nach 60 Minuten Zittern und Bangen stand auf der Anzeigetafel der 31:30-Endstand und gab es endgültig kein Halten mehr.

Harald Hofstetter, ORF.at aus Wien

Handball-EM der Herren in Österreich

Hauptrunde, Gruppe eins in Wien:

Österreich - Russland 31:30 (17:15)

Wiener Stadthalle, 8.500 Zuschauer, SR B. Methe/R. Methe (GER)

Tore: Weber 6, Schlinger 6, Wilczynski 6, Günther 4, Szilagyi 4, Friede 3, Hojc 1, Fölser 1 bzw. Tschipurin 7, Rastworzew 5, Kowalew 4, Igropulo 4, Kajnarow 3, Starjik 2, Filippow 2, Tschernoiwanow 1, Kamanin 1, Iwanow 1

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