Eng verbunden mit New Orleans

"Ich schätze die Saints sehr, aber ich kann nicht gegen meinen Sohn sein."
Am Sonntag geht es in Miami für den Manning-Clan um den dritten Sieg in der Super Bowl in vier Jahren. 2007 gewann Peyton, 2008 sein jüngerer Bruder Eli mit den New York Giants, und 2010 hat abermals der Colts-Quarterback die Chance auf den prestigeträchtigsten Titel in der amerikanischen Sportlandschaft.

Das Duell mit den New Orleans Saints birgt jedoch eine gewisse Pikanterie. Peytons Vater Archie Manning trug von 1971 bis 1982 in elf von 13 Jahren seiner Karriere das Trikot mit der Fleur-de-Lis. Seine Söhne wurden in New Orleans geboren und drückten den Saints in jungen Jahren selbstverständlich die Daumen.

Familie in New Orleans beheimatet
Zwar spielt Peyton seit Beginn seiner NFL-Karriere im Jahr 1998 für die Colts, dennoch ist er nach wie vor eng mit seiner Geburtsstadt verbunden, wo er auch in jungen Jahren vom damaligen Headcoach der Saints, Jim Mora, die Erlaubnis erhielt, während der Trainingscamps ein paar Bälle mit den Großen zu spielen.

Vater Archie und Mutter Olivia wohnen noch immer in der Stadt, in einem Haus, in dessen Garten die drei Söhne Cooper, Peyton und Eli ihre Football-Anfänge hatten.

Kein Zweifel: "Sie werden mich anfeuern"
Wenn am Sonntag (Ortszeit) der Kick-off in der Super Bowl erfolgt, besteht für den mittleren Spross des Manning-Clans aber trotz aller Verbindungen mit "The Big Easy" kein Zweifel, in wessen Lager seine Freunde und seine Familie stehen und wem sie die Daumen drücken werden.

"Sie alle haben sich daran gewöhnt, dass ich bei den Colts spiele, deshalb werden sie mich anfeuern - selbst wenn sie in New Orleans wohnen wie Cooper, der ein großer Saints-Fan ist", erklärte der 33-jährige Quarterback.

"Kann nicht gegen meinen Sohn sein"
Auch Manning senior stellte klar, dass er sich vor dem Duell zwischen den Colts und Saints in keinem Gewissenskonflikt befindet - von Dilemma keine Spur. "Ich schätze die Saints sehr, aber ich kann nicht gegen meinen Sohn sein. Jeder, der etwas anderes von mir erwartet, kann keine Kinder haben", betonte Archie.

Auch die Stadt selbst hat mit der Konstellation keine Probleme. Für den Vorsitzenden des Stadtrats von New Orleans, Arnie Fielkow, kann es bei dieser Ansetzung gar keinen Verlierer geben. "Das ist das Traumszenario für unsere Stadt. Egal wie das Spiel ausgeht - New Orleans wird Sieger sein."

Erfolglose Saints unter Archie
Der heute 60-jährige Archie, der seit 39 Jahren in "The Big Easy" lebt, gilt in New Orleans als Legende, obwohl seine Jahre bei den Saints nicht gerade von Erfolg gekrönt waren. Ganz im Gegenteil: Beinahe 100 Niederlagen mussten die "Heiligen" unter Mannings Führung einstecken.

Eine einzige Saison war die Bilanz nicht negativ. Im achten Jahr von Mannings Karriere gelang den Saints mit acht Siegen und acht Niederlagen die einzige ausgeglichene Saison, nur um im Jahr darauf gleich 15-mal gedemütigt zu werden.

Ausgleichende Gerechtigekeit
"Ich war nie auch nur in der Nähe der Super Bowl", sagte Archie in Bezug auf seine Karriere. "Vielleicht sind die Erfolg meiner Söhne nun eine ausgleichende Gerechtigkeit dafür." Dass er die Erziehung seiner Söhne auf eine Football-Karriere auslegte, war jedoch nicht der Fall.

Ein einziger Rat an die Söhne
"Wir wurden niemals zu etwas gedrängt. Wir hatten eine Art stille Vereinbarung: Unser Vater half uns und war glücklich, mit uns ein paar Bälle zu werfen, aber die Initiative dafür musste von uns ausgehen", meinte Peyton Manning einmal.

Eine Sache brachte Archie seinen Söhnen aber doch bei, wie er gestand: "Sie sind gute Zuhörer. Der einzige Rat, den ich ihnen immer wieder gegeben habe, war: Haltet niemals einen Sieg für selbstverständlich, denn jeder einzelne ist verdammt schwer zu erringen."

Ein Motto, an das sich Peyton am Sonntag ganz sicher halten wird, um am Ende seinen zweiten Super-Bowl-Ring überstreifen zu können.

Christian Wagner, ORF.at

Links: