"The Big Easy" wieder obenauf

Ein Jahr nach Hurrikan "Katrina" begann der Höhenflug.
"Was die Saints dieser Stadt bedeuten, ist unglaublich", weiß Peyton Manning. Der Starquarterback der Indianapolis Colts, am Sonntag Gegner der New Orleans Saints in der Super Bowl XLIV in Miami, muss es wissen.

Sein Vater Archie Manning hatte einst für die Saints gespielt, er selbst ist in New Orleans geboren.

Neues Selbstvertrauen
Neues Selbstvertrauen durchströmt die Südstaaten-Metropole: Der Schlachtruf "Who Dat?!" der Saints ist dieser Tage nicht nur in Miami allgegenwärtig.

Die Stadt, die Ende August 2005 von Hurrikan "Katrina" heimgesucht wurde, hat sich als "Who Dat Nation" neu definiert und gefunden. Die Saints haben der Region nicht erst mit dem erstmaligen Einzug ins Finale der NFL wieder Leben eingehaucht.

"Katrina" zerstört New Orleans
New Orleans, auch als "The Big Easy" bekannt, gilt als Wiege des Jazz, die historische Altstadt mit dem French Quarter ist ebenso berühmt wie die kreolische Küche (Jambalaya) und die Faschingsumzüge am Mardi Gras auf der Bourbon Street.

Ende August 2005 verwüstete "Katrina" die Stadt: 1.800 Menschen kamen ums Leben, 70.000 Häuser wurden zerstört, über eine Million Menschen waren obdachlos, 80 Prozent der 1,4 Millionen-Einwohner-Stadt standen nach dem Bruch zweier Deiche meterhoch unter Wasser.

Der finanzielle Schaden betrug nach immer wieder nach oben korrigierten Schätzungen über 100 Millionen Euro.

Zuflucht im Football-Stadion
Während der Sturm über der Südstaaten-Metropole tobte, suchten 60.000 Menschen Zuflucht im Stadion der New Orleans Saints, dem Louisiana Superdome. Die Bewohner fühlten sich von den lokalen und nationalen Behörden im Stich und mit ihrer Verzweiflung allein gelassen.

Das Football-Team, das seit der Gründung am 1. November (Allerheiligen, daher der Name) 1966 permanent dem Erfolg nachgelaufen war, gab den Bewohnern der zerstörten Region neue Hoffnung.

Die "Leider Neins"
Die Saints benötigten 20 Jahre, ehe sie die erste "Winning Season", die erste Saison mit einer positiven Bilanz, schafften. Die ewige Bilanz der "Heiligen" ist mit 275 Siegen, 378 Niederlagen und fünf Remis klar negativ.

Aus den Saints wurden die "Aints", die "Leider Neins", die ewigen Verlierer. Daran konnte auch Quarterback Archie Manning nichts ändern. Der College-Held stand in dem schwachen Team zwischen 1971 und 1982 auf verlorenem Posten.

Zum Genieren
1980 verloren die Saints 14 Spiele in Folge. Ein Radiomoderator schlug den Fans vor, ihre Gesichter mit braunen Einkaufssackerln zu verhüllen, damit sie im Stadion nicht erkannt werden, weil das zu peinlich sei. Dieses Bild wurde zum Synonym für Erfolglosigkeit.

Berühmter als die Saints waren in diesen Tagen ihre Halbzeitshows: Marching Bands spielten auf dem Feld, Ballone stiegen auf, es fanden sogar Straußenrennen statt.

Alles anders seit 2006
Seit 2006 ist alles anders: Die Saison 2005, in der die Saints keine Heimspiele im ramponierten Superdome austragen konnten, war mit 3:13-Siegen schwer enttäuschend verlaufen.

Doch nach einem Wanderjahr in Texas und New York spielten die "Heiligen" wieder im Superdome, und im ersten Heimspiel sorgten U2 und Green Day mit ihrem Lied "The Saints Are Coming" für Gänsehautstimmung und gaben damit den Startschuss zur Wende.

Payton, Brees, Bush und Co.
Neo-Headcoach Sean Payton übernahm das Kommando, mit Quarterback Drew Brees und starken jungen Spielern wie College-Superstar Reggie Bush und Marques Colston wurde das Team erfolgreich umgebaut. Die Saints verbesserten sich auf 10:6 Siege und scheiterten erst im NFL-Semifinale an den Chicago Bears.

Seither gab es keine negative Saison mehr für die Saints, und das berüchtigte "Who Dat" erschallt heuer, zum ersten Mal überhaupt in der 43-jährigen Clubgeschichte, sogar in der Super Bowl.

Wer sagt das?
"Who Dat" ist Südstaatendialekt, bedeutet grob übersetzt "Wer sagt das?" und wird sowohl als Anfeuerung für das eigene Team wie auch als Verhöhnung des Gegners verwendet.

"Wer sagt, wer sagt, wer sagt, er könne die Saints schlagen?", lautet der vollständige Fangesang.

Seit dem Höhenflug der Saints schreien ihre Anhänger jedem, der es hören will oder nicht, diesen Slogan um die Ohren.

Das ist New Orleans
Die NFL scheiterte erst vor wenigen Tagen kläglich in ihrem Versuch, Fanartikel mit diesem Spruch mit einem Verkaufsstopp zu belegen.

Er sei Bestandteil der Geschichte von New Orleans - ebenso wie die Fleur-de-Lis, die französische Lilie, die sich im schwarz-goldenen Logo der Saints wiederfindet. Er sei daher nicht Eigentum der National Football League, so die Entscheidung der Behörden.

"Alles andere wäre lächerlich gewesen. Das ist New Orleans pur", sagte Lousiana-Generalstaatsanwalt Buddy Caldwell.

Martin Wagner, ORF.at

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