Während man beim ÖFB angesichts der weiteren Gruppengegner Türkei, Belgien, Kasachstan und Aserbaidschan wohl nur schwer von Losglück sprechen konnte, fühlte man sich im Lager des DFB einmal mehr mit Glücksgöttin Fortuna im Bunde.
Doch wesentlich mehr als die Auslosung für die Europameisterschaft beschäftigt den Deutschen Fußball-Bund (DFB) derzeit der interne Machtkampf an der Verbandsspitze.
Bierhoff sucht nach Annäherung
Ausgerechnet "Buhmann" Oliver Bierhoff könnte in den DFB-Streit über Macht, Geld und Indiskretionen neue Bewegung bringen.
Standen am Sonntag bei der Auslosung im frostigen Warschau noch alle Signale auf Eiszeit zwischen den Chefs der Nationalmannschaft und der Verbandsspitze, so suchte Teammanager Bierhoff nach der Rückkehr in die Heimat zumindest nach einer zarten Annäherung.
"Am liebsten wäre mir jetzt ein Gespräch mit allen vier Beteiligten, um die Dinge zu klären", sagte Ex-Salzburg-Torjäger Bierhoff. Das könnte weit mehr bringen, "als mehrere Einzelgespräche über die nächsten Wochen".
Auf Suche nach tragfähiger Allianz
Trotz heftiger Irritationen, Vorwürfe und Verletzungen könnte er sich ein Gipfeltreffen mit DFB-Präsident Theo Zwanziger, Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Teamchef Joachim Löw vorstellen.
Aus Sorge um eine störungsfreie WM-Vorbereitung und erschrocken über die Kritik an seiner Rolle im Vertragspoker mit dem DFB möchte Bierhoff zumindest eine tragfähige Allianz schaffen: "Es gab auch in der Vergangenheit immer wieder schwierige Momente, nach denen man wieder zueinandergefunden hat. Daran werden wir jetzt arbeiten."
Verhärtete Fronten und Verbitterung
Wie verhärtet die Fronten allerdings sind, zeigten nicht nur die zwei Krisengespräche zwischen Löw und Zwanziger am Rande der EM-Auslosung.
Auch danach war die Verbitterung auf beiden Seiten weiter groß. Der TV-Marathon von Bierhoff nach der Rückkehr aus Polen, wo die Differenzen zwischen Löw/Bierhoff und Zwanziger/Niersbach besonders deutlich zutage getreten waren, konnte die verhärteten Fronten nicht aufweichen.
Bierhoff sieht sich zu Unrecht in die Rolle des Buhmanns gedrängt: "Es ist natürlich auch keine angenehme Situation für mich. Vor allem, weil ein Bild entstanden ist, das den Tatsachen überhaupt nicht so entspricht."
Vetorecht keine Bedingung mehr
Während Löw am Montag in Arbeit flüchtete und sich mit seinen engsten Vertrauten aus dem Trainerstab zu einem WM-Workshop traf, versuchte Bierhoff als gescheiterter Verhandlungsführer der Nationalmannschaftsfraktion, mehr oder weniger versteckte Signale für eine Deeskalation zu setzen.
Das für eine Vertragsverlängerung zunächst eingeforderte Vetorecht bei der Bestimmung eines möglichen neuen Bundestrainers sei "keine Bedingung für ein Weitermachen", auch wenn er in dieser Frage weiter ein entscheidendes Wort mitsprechen will.
Nicht "alles richtig gemacht"
"Man muss es auch akzeptieren, dass der DFB seine Position hat", betonte Bierhoff. Vor den Kameras hob er nochmals das "nicht zu akzeptierende" 48-Stunden-Ultimatum der DFB-Oberen im Vertragspoker hervor, schloss jedoch an: "Das ist aber so passiert. Es ist unglücklich. Jetzt müssen wir versuchen, Ruhe reinzubringen, und uns auf die Arbeit mit der Mannschaft konzentrieren."
Zugleich räumte der ehemalige Teamstürmer auch eigene Fehler ein. "Natürlich würde man im Nachhinein versuchen, das ein oder andere anders zu präsentieren." Es wäre verkehrt zu sagen, "man hat alles richtig gemacht".
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