Talenteschmiede "La Masia"

Keine Kraftkammer, kein Dauerlauf und kein Zirkeltraining.
Sollte jemals ein Verein die Spieler Messi, Xavi und Iniesta kaufen wollen, müsste er für sie mehr als 200 Millionen Euro auf den Tisch legen. Der FC Barcelona hat für seine Stars keinen Cent Ablöse gezahlt.

Der Stolz aller Katalanen, der als erster Club seinen Titel in der UEFA Champions League erfolgreich verteidigen will, bildet seine Superstars selbst aus - mit großer Kontinuität und noch mehr Erfolg.

Im Achtelfinal-Rückspiel am Mittwoch im Camp Nou (20.45 Uhr, live in ORF1) gegen den VfB Stuttgart werden nicht weniger als acht Spieler erwartet, die aus der eigenen Nachwuchsakademie "La Masia" stammen.

600 Euro für Messi
Mit Messi, Xavi und Iniesta landeten drei von ihnen bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres 2009 unter den ersten fünf. "Die Jugendarbeit ist unser Faustpfand", sagte Barca-Kapitän Carles Puyol. Auch er ist in "La Masia" groß geworden.

Weltfußballer Messi kam mit 13 Jahren dorthin, er hatte damals eine Wachstumsstörung, und das Einzige, was Barca am Anfang für ihn zahlte, waren die monatlichen Kosten für eine Hormontherapie und ein Gehalt von rund 600 Euro.

Eine gute Investition: Nach seinen drei Toren am Wochenende gegen Valencia nannte Präsident Joan Laporta den kleinen Argentinier "ein Genie". Trainer Josep Guardiola fördert die eigenen Talente noch mehr als seine Vorgänger, weil er früher selbst alle Jugendteams des Clubs durchlief.

"Wir haben unsere Ausbildungsstätte"
Damit folgen die Katalanen einer völlig anderen Philosophie als kaufwütige Vereine wie Chelsea und Inter Mailand. Auch Real Madrid hat eine exzellente Nachwuchsabteilung. Bis auf Ausnahmen wie Raul gibt Barcas Erzrivale seine Talente aber lieber an Vereine aus der unteren Tabellenhälfte ab und geht dann in anderen Ländern auf teure Einkaufstour.

"Ronaldo und Kaka sind zwar tolle Spieler", sagt Puyol über Reals 160-Millionen-Euro-Transfers. "Aber wir haben unsere Ausbildungsstätte. So haben wir 2009 das Triple aus Champions League, spanischer Meisterschaft und Club-WM geholt." Barcelonas Jugendarbeit hat deshalb so viel Erfolg, weil sie einer Leitidee folgt.

Alles dreht sich um den Ball
In "La Masia" lernt jedes Kind, genauso offensiv zu spielen und zu denken wie die Profis. "Bis sie 16 sind, gehen sie bei uns kein einziges Mal in die Kraftkammer. Sie machen auch keinen Dauerlauf und kein Zirkeltraining", sagte Jugendkoordinator Albert Benaiges. Beim FC Barcelona dreht sich alles um den Ball.

Für Xavi sind die eigenen Talente "unersetzlich, denn sie lernen von klein auf, wie wichtig Ballbesitz und Kurzpassspiel sind". Ein gutes Beispiel dafür ist Gerard Pique. Er ging mit 17 zu Manchester United, kam 2008 zu Barca zurück und galt nur als Ergänzungsspieler, von dem niemand viel erwartete.

Demut, Respekt und Bescheidenheit
Der Verteidiger fügte sich aber so schnell ins Team ein, als wäre er nie weg gewesen. Er hat Barcas Spiel einfach im Blut. Wer "La Masia" durchlaufen hat, ist in der Regel für alles gewappnet im Fußball. Bei Cesc Fabregas passte der Club zwar ausnahmsweise nicht auf, aber er wurde auch bei Arsenal zum Star.

Bei Sergio Busquets dauerte es nur ein halbes Jahr, bis er nach seinem ersten Profieinsatz auch im Nationalteam debütierte. Barca schult nicht nur das Passspiel und die Technik, sondern auch Tugenden wie Demut und Respekt.

Nach dem Triumph in der Champions League 2009 in Rom (2:0 im Endspiel gegen Manchester United) bekam jeder Spieler ein Auto des Clubsponsors. Xavi wirkte auf seine Kollegen ein, sich ein kleineres Modell zu bestellen und keine Nobelkarosse. Diese Bescheidenheit hat er in "La Masia" gelernt.

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