Inter auf Meisterkurs

Lazio-Fans bejubeln Tore von Inter.
Mit einem "beschämenden" Auftritt hat Lazio Rom am Sonntag in der Serie A Spitzenreiter Inter Mailand im Meisterschaftsduell Schützenhilfe geleistet.

Fast ohne Gegenwehr schenkte Lazio dem Titelverteidiger im römischen Olympiastadion einen 0:2-Sieg. Die Lazio-Fans schlugen sich von der ersten Minute an auf die Seite der Mailänder und bejubelten die Niederlage der eigenen Mannschaft.

Lazios Geschenk ließ die Titelhoffnungen des verhassten Lokalrivalen AS Roma auf ein Minimum sinken. Zwei Spieltage vor Ende der Meisterschaft führt Inter (76) mit zwei Punkten Vorsprung auf die Römer (74).

"So etwas noch nie gesehen"
"Nach dem, was wir heute gesehen haben, unsere Liga als die schönste der Welt zu bezeichnen ist absurd", schimpfte Roma-Präsidentin Rosella Sensi. "Wäre ich an der Stelle von Inter, ich würde mich über so einen Sieg schämen."

Auch Clubdirektor Gian Paolo Montali schäumte: "So etwas wie heute habe ich noch nie gesehen. Aber ich glaube, auch Inter wird beschämt sein. An diesem Tag hat nicht nur Lazio verloren, sondern der gesamte Sport und ganz besonders unser Fußball."

"Hässliches Kapitel im Fußball"
Inter-Besitzer Massimo Moratti entgegnete am Montag, dass das eine Sache zwischen Lazio und AS Roma sei. "Inter hat sich für nichts zu schämen", sagte Moratti. Montali räumte indes am Montag ein, dass Inter nichts dafür könne und Lazio ohnehin geschlagen hätte. Dennoch sprach der Clubdirektor von "einem der hässlichsten Kapitel in der Geschichte des italienischen Fußballs".

Bei Lazio brechen alle Dämme
Nachdem Lazio in der ersten Halbzeit zumindest noch in der Abwehr gekämpft, brachen im zweiten Durchgang alle Dämme. Nur der Tormann und der in der 61. Minute eingewechselte deutsche Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger wehrten sich noch gegen die Blamage.

"Hitzlsperger hat wohl noch nie Fans erlebt, die verlieren wollen. Er hat es nicht kapiert und spielte deshalb", schrieb die "Gazzetta dello Sport" am Montag über den Auftritt des Deutschen, der zum ersten Mal der beste Feldspieler seines Teams war.

"Surreales Klima im Stadion"
Lazios Assistenztrainer Giovanni Lopez, der wegen der Sperre von Trainer Reja erstmals als verantwortlicher Coach auf der Bank saß, fühlte sich in seiner Rolle sichtlich unwohl. "Wir waren schon motiviert", sagte Lopez. "Aber das surreale Klima im Stadion hat uns nicht geholfen."

Dass sein Team nach dem ersten Tor total eingebrochen sei, musste Lopez aber auch zugeben. "Wir haben die Fans schon wahrgenommen", räumte der 42-jährige Italiener ein. "Wir haben uns auf das Spiel konzentriert und versucht, uns nicht beeinflussen zu lassen".

"Oh noooo"
Beim ersten Tor der Mailänder brandete in der Lazio-Kurve frenetischer Jubel auf, ein Spruchband mit der an den verhassten Stadtrivalen Roma gerichteten höhnischen Botschaft "Oh noooo" kam zum Vorschein.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff priesen die Lazio-Fans Inter-Trainer Jose Mourinho ebenfalls per Banner als "einzigen echten Mann". Zur Feier des Tages sorgte Motta nach einem Eckball per Kopf für die Entscheidung, wonach neuerlich das "Oh noooo"-Spruchband zum Einsatz kam.

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