LCC Wien kündigt "Dopingjäger" Lilge

Leichtathletin Susanne Pumper scheint beim Chef ihres Vereins LCC Wien trotz eines anhängigen Dopingverfahrens weiter gut angeschrieben zu sein, die 38-Jährige darf den vereinseigenen Herbstmarathon (26. Oktober) mitorganisieren.

LCC-Sportkoordinator Wilhelm Lilge, auf dessen Initiative hin Pumper im März bei einem LCC-Halbmarathon getestet worden war und der bis dato für die Veranstaltung im Wiener Prater verantwortlich gezeichnet hatte, wurde hingegen von LCC-Präsident Peter Pfannl vor kurzem gekündigt.

"Eigentlich unglaublich, bei uns ist das ungefähr so, als ob man den anständigen Polizisten und nicht den Bankräuber fasst", konstatierte Lilge.

Strikte Linie
Lilge befürwortet einen strikten Anti-Doping-Kurs und wollte mit Pumper, die in den nächsten Wochen ein Urteil im Disziplinarverfahren der NADA Austria erwartet, nicht zusammenarbeiten. "Ich habe bei Pfannl unmissverständlich deponiert, dass ich für doppelte Spielchen nicht zu haben bin und er sich entscheiden muss, wie er grundsätzlich zu Doping steht", sagte Lilge am Mittwoch. Pfannl selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der sportliche Leiter wurde von Pfannl laut eigenen Angaben per 30. September gekündigt. "Offiziell aus Einsparungsgründen", so Lilge, dessen ebenfalls beim Verein teilzeitbeschäftigte Ehefrau Carina Lilge-Leutner (ehemalige ÖLV-Marathonrekordhalterin und dutzendfache Staatsmeisterin) ebenfalls die Kündigung erhielt.

Persönlich vorwerfen wolle er dem Clubchef jedoch nichts, dieser lasse sich vielmehr von den falschen Leuten beraten. "Er hat so viel in die Leichtathletik investiert wie kein anderer, großteils unbedankt", sagte der mit Jahresende scheidende Sportkoordinator.

Pumper sammelt Sponsorengelder
Pumper sei vom Vereinspräsidenten mit der Organisation des Marathons, darunter fällt auch die Sponsorensuche, beauftragt worden.

Die Niederösterreicherin darf wegen positiver Dopingtests keine Wettkämpfe bestreiten, sie werde nun stattdessen von den Sponsorengeldern profitieren, mutmaßte Lilge.

Verein im schiefen Licht
Die Einbeziehung einer wegen Dopingverdachts suspendierten Läuferin rückt den Traditionsverein, dem auch 800-m-Aushängeschild Stephanie Graf angehörte, nach dem Fall der wegen EPO-Dopings für zwei Jahre gesperrten Jolanda Ceplak (SLO) ein weiteres Mal in ein schiefes Licht.

Neben Pumper und Ceplak scheinen laut Lilge auch Helena Javornik (SLO), wie Pumper im März im Prater positiv getestet, und Lisa Hütthaler "auf dem Papier" als LCC-Mitglieder auf. Triathletin Hütthaler sieht wie Pumper wegen mutmaßlichen EPO-Dopings einer drohenden Sanktion durch die NADA entgegen. Die gebürtige Deutsche Bettina Müller-Weissina, die eine Dopingsperre abgesessen hat, geht ebenfalls für den LCC an den Start.

ÖLV warnt
Auch Werbepartner und andere Veranstalter scheinen keinen Anstoß daran zu nehmen, dass eine in ein Dopingverfahren verwickelte Spitzenleichtathletin weiter an vorderster Front in Erscheinung tritt.

Anfang September hatte Pumper einen Volkslauf im Schlosspark Schönbrunn mitorganisiert und ihre Teilnahme ankündigen lassen. Daraufhin sah sich der Österreichische Leichtathletik-Verband (ÖLV) genötigt, seine Athleten wegen drohender Konsequenzen vor einem Antreten zu warnen.

Negative Rückmeldungen
Von einigen Hobbyläufern habe er hinsichtlich des Engagements von Pumper negative Rückmeldungen erhalten, Spitzenathleten würden einen Vereinswechsel in Erwägung ziehen, so Lilge. Er selbst möchte sein sportwissenschaftliches Know-how zukünftig an Hobby- und Leistungssportler weitergeben.

"Es gibt mehrere Optionen, mit einem ganz konkreten Projekt möchte ich die österreichische Leichtathletik wieder erfolgreicher machen, und das ohne Dopingklotz am Bein", betonte Lilge.

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