Del Bosque hält an der Taktik fest

"Ich habe den Spielern gesagt, dass sie bei der WM noch sechs Spiele gewinnen sollen. Und dann sind wir Weltmeister."
Dreimal hat Spaniens Teamchef Vicente del Bosque das Video von der 0:1-Auftaktniederlage gegen die Schweiz gesehen, dazu ein paar Zusammenfassungen.

Vor dem zweiten Gruppenspiel am Montagabend (20.30 Uhr, live in ORF1 und im Livestream) im Ellis-Park-Stadion von Johannesburg gegen Außenseiter Honduras zog er letztlich einen durchaus selbstbewussten Schluss: Im Grunde habe seine Mannschaft keinen gravierenden Fehler gemacht.

Keine großen Vorwürfe
Das negative Resultat gegen die Schweiz sei weniger auf die spielerischen Meriten des Gegners, als vielmehr auf dessen destruktive Spielweise und vor allem mangelndes eigenes Glück zurückzuführen gewesen. "Sie haben genau so gespielt, wie wir es besprochen haben. Daher kann ich ihnen keine großen Vorwürfe machen", so der Teamchef über seine Mannschaft.

Die einzige Kritikpunkte, die Del Bosque seiner "Seleccion" darlegte, bezogen sich auf mangelndes Tempo und den Umstand, dass in der Offensive der Abschluss schneller hätte gesucht werden sollen. Gegen ein defensiv eingestelltes Team wie Ottmar Hitzfelds Schweizer sei dringend notwendig gewesen, schneller auf das Tor zu schießen.

Auch gegen Honduras mit "Tiqui-Taca"
Sollte der Montag-Gegner Honduras mit einem ähnlichen Konzept sein Glück suchen, will der 59-Jährige aber wieder auf "Tiqui-Taca" setzen. Bloß ein bisschen schneller und zielorientierter sollte das Kurzpassspiel dann ablaufen. Und auch die Chancenauswertung müsse besser werden.

Seinen Optimismus hat der frühere Coach von Real Madrid jedenfalls noch nicht verloren. "Ich habe den Spielern gesagt, dass sie bei der WM noch sechs Spiele gewinnen sollen. Und dann sind wir Weltmeister. Diese Mannschaft hat schon ganz andere Serien hingelegt", betonte Del Bosque. "Und besser ein Rückschlag zu Beginn als am Ende."

Blick in die WM-Geschichte beruhigt
Auch die Stimmung im Team ist vor dem Honduras-Match weiter optimistisch. "Diese Niederlage hat bewiesen, dass es keine leichten Spiele mehr gibt, denn jedes Team, das sich für die WM qualifiziert hat, macht es dir schwer. Aber wenn man in die WM-Geschichte blickt, dann haben schon oft Teams, die zu Beginn eine Niederlage kassiert haben, noch den Titel gewonnen", erklärte etwa Ersatzverteidiger Raul Albiol.

"Das wird wie ein Finale"
Dennoch ist man beim Europameister gewarnt, wartet im letzten Gruppenspiel doch der schwere Brocken Chile. "Die Partie gegen Honduras ist von fundamentaler Bedeutung", betonte Mittelfeldmann Xabi Alonso. Gerard Pique strich den besonderen Charakter der ursprünglich als reiner Pflichtaufgabe gedachten Partie heraus: "Wenn wir gegen Honduras nicht gewinnen, ist das Spiel gegen Chile egal. Das wird wie ein Finale."

Offen ist noch, ob Torjäger Fernando Torres gegen die Mittelamerikaner als einzige echte Spitze agiert oder ob er mit EM-Torschützenkönig David Villa einen klassischen Zweimannsturm bilden wird. Der Liverpool-Stürmer, der nach überstandener Meniskusoperation auf seinen ersten WM-Einsatz in der Startelf brennt, erklärte, das sei letztlich egal: "Wir sind beim System sehr variabel."

Überraschungen sind immer möglich
Honduras-Coach Reinaldo Rueda warnte jedenfalls vor den "verwundeten" Spaniern, traut aber auch seiner Mannschaft eine Überraschung gegen den Europameister zu. "Sie sind die stärkste Mannschaft der Welt, aber wir fürchten keinen einzigen ihrer Spieler", stellte Rueda klar.

"Sie haben ein starkes Kollektiv, aber wenn wir perfekt zusammenarbeiten, dann können auch wir sie schlagen. Würden wir nicht an unsere Siegchance glauben, dann bräuchten wir gar nicht erst zu spielen. Wir haben unseren Rivalen genau studiert und werden vorsichtig sein. Ich respektiere Spanien sehr, die Mannschaft ist weiterhin einer der großen WM-Favoriten. Aber es ist nicht das stärkste Team hier. Die Schweiz hat Spanien eine Lektion erteilt."

Edgar Alvarez träumt sogar davon, den 1:1-Achtungserfolg bei Honduras' erster WM-Teilnahme vor 28 Jahren gegen den damaligen Gastgeber Spanien zu toppen. "Wir haben ein Rendezvous mit der Geschichte", sagte der Mittelfeldspieler. "Wir wollen das Ergebnis von 1982 übertreffen. Ich bin überzeugt, dass wir Spanien schlagen können."

Gruppe H, zweiter Spieltag

Montag, 20.30 Uhr:

Spanien - Honduras -:- (-:-)

Johannesburg, Ellis-Park-Stadion, SR Nishimura (JPN)

Mögliche Aufstellungen:

Spanien: Casillas - Ramos, Pique, Puyol, Capdevila - Xabi Alonso - David Silva, Xavi, Fabregas, Villa - Torres

Honduras: Valladares - Mendoza, Chavez, Figueroa, Izaguirre - Alvarez, W. Palacios, Nunez, Guevara, Espinoza - Pavon

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