Starkes Aufgebot

Edelmetall ist für die Österreicher durchaus möglich.
Mit nicht weniger als 34 Athleten ist der Bundesfachverband für Reiten und Fahren in Österreich (FENA) bei den 5. Weltreiterspielen in Aachen (20. August bis 3. September) vertreten.

Rot-Weiß-Rot ist in allen sieben Sparten dabei, erstmals soll es am Ende auch WM-Medaillen für Österreich geben. Die größten Chancen dazu haben allerdings nicht die olympischen Disziplinen Springreiten, Dressur und Vielseitigkeit, sondern die Voltigierer und Westernreiter.

Favoriten beim Voltigieren
"Wir hoffen auf eine Medaille, besonders bei den Damen und mit der Gruppe, da zählen wir zu den Favoriten", so Chef de Mission Frank Spadinger.

Sein Optimismus gründet auf den Erfolgen, hat doch Sissi Jarz in Stadl-Paura und München heuer die zwei größten Turniere gewonnen. Die 25-jährige Steirerin hat im Vorjahr bei der EM Einzel-Bronze geholt, und in der Gruppe hatte die österreichische Equipe Gold vor Augen, musste sich nach einem Sturz aber mit Bronze begnügen.

Entscheidend für den heimischen Aufschwung in dieser Sportart mit Turnübungen auf dem Pferd war eine Änderung im Reglement zu Beginn des Vorjahres. Da ist die internationale Altersbegrenzung von 18 Jahren gefallen, und diese hatte es in Österreich nie gegeben.

In der Gruppe ist übrigens auch Christa Kristofics-Binder, die Tochter von Claudia, der ehemaligen Eiskunstlauf-Europameisterin, mit von der Partie.

Fast wie im Wilden Westen
Auch die Westernreiter wollen im Reining-Bewerb (eine Art Dressur der Westernreiter mit diversen, von einer Jury bewerteten Übungen) ganz vorne mitmischen.

Im Team befindet sich auch der Weltranglisten-Erste Rudolf Kronsteiner. "Wir sind im Spitzenfeld dabei, wir erwarten uns eine Medaille", meinte Referent Gerold Dautzenberg optimistisch.

Springreiter nur Außenseiter
Vom Interesse her sind freilich die Springreiter nach wie vor an der Spitze, doch für Referentin Gabriele Morbitzer war es nach vielen Ausfällen, Verletzungen und auch der Absage von Thomas Frühmann kein Honiglecken, ein Team zusammenzustellen.

Mit Anton Martin Bauer, Stefan Eder, Roland Engelbrecht, Jürgen Krackow und Gerfried Puck (einer davon wird Ersatzmann sein) will sie im Teambewerb "um den zehnten Platz landen".

Eine für eine vorzeitige Erbringung des Olympia-Limits nötige Top-Sechs-Platzierung hält sie nicht für möglich. "Ich bin kein Fantast, das wäre eine Sensation."

Frühmann will nicht, Simon darf nicht
Mit wenig Freude hat Morbitzer die Absage von Thomas Frühmann (aus Motivationsmangel) hingenommen, weder ihr noch der FENA-Präsidentin Sissy Max-Theurer ist es gelungen, den Wiener zum Antreten zu überreden.

Und "Altstar" Hugo Simon wäre gerne angetreten, hat aber hauchdünn (um einen Zeitfehler) die internationale Qualifikation verpasst.

Vier Reiterinnen in der Dressur dabei
In der Dressur wird Österreich diesmal durch vier Frauen, allen voran die Tochter von Sissy, Victoria Max-Theurer, vertreten.

Für die 20-jährige Oberösterreicherin ist es das dritte große Championat, aber es sind die ersten Weltreiterspiele.

"Aachen wird eine riesige Sache, vom sportlichen Niveau her, aber auch vom Drumherum. Ich bin froh, dass wir ein ganzes Team hinschicken können", sagte Max-Theurer, die ebenso wie Nina Stadlinger die Hürde der besten 30 für den Grand Prix Special schaffen möchte. Erstmals werden ja zwei Einzelmedaillen (im GP Special und in der GP-Kür) vergeben.

Überraschungen nicht ausgeschlossen
In der Vielseitigkeit erhoffen sich Sportler und Funktionäre ebenso wie im Distanzreiten über 160 km und durch drei Länder (Deutschland, Belgien, Niederlande) Plätze im ersten Drittel.

Bei den Vierspännern hat der Verband mit Albert Pointl zwar den regierenden Zweispänner-Weltmeister im Team, doch warnt er vor zu großem Optimismus. "Das ist, wie wenn man einen Pkw mit einem Lkw vergleicht", sagte er vor seiner 14. WM.

Österreichs 34-köpfiges Team

Springreiten (5/1 Ersatzmann): Anton Martin Bauer, Stefan Eder, Roland Engelbrecht, Jürgen Krackow, Gerfried Puck

Dressur (4): Victoria Max-Theurer, Nina Stadlinger, Caroline Kottas-Heldberg, Evelyn Haim-Swarovski

Vierspännerfahren (3): Josef Leibetseder, Fred Obenauer, Albert Pointl

Vielseitigkeit (3): Harald Ambros, Harald Riedl, Harald Siegl

Distanzreiten (3): Alexandra Engleder, Marguerita Füller, Susanne Thumer

Westernreiten/Reining (4): Rudolf Kronsteiner, Tina Künstner-Mantl, Markus Morawitz, Dennis Schulz

Voltigieren (12): Stefan Csandl*, Gregor Stöckl*, Lukas Wacha*, Sissi Jarz*, Jasmin Gipperich*, Katharina Faltin*, Isabela Fiala, Kathrin Humann, Christa Kristofics-Binder, Katharina Luschin, Nikolaus Luschin, Kathrin Pleininger

Die mit * versehenen Akteure sind im Einzel-Voltigieren (Damen bzw. Herren) am Start

Inklusive der Funktionäre, Trainer, Hufschmiede, Tierärzte etc. entsendet Österreich 140 Personen nach Aachen.

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