Zustimmung zur Verjüngung

Fehlt ein "Knipser"? Macht uns bei der EM der Heimvorteil stark? Ist uns das internationale Tempo zu hoch?
Österreichs Nationalteam hat mit dem 1:1 gegen Ghana gezeigt, dass in der verjüngten Mannschaft von Josef Hickersberger durchaus Potenzial steckt. Aber was trauen die heimischen Fans der rot-weiß-roten Auswahl im kommenden Jahr bei der Heim-EM wirklich zu?

©Bild: GEPA
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ORF.at hörte sich am Samstag beim Freundschaftsspiel in Graz unter den Zuschauern um. Dabei gab es die unterschiedlichsten Reaktionen, jugendlicher Optimismus und die Skepsis der älteren Generation trafen aufeinander. Durchwegs wurde allerdings der eingeschlagene Zukunftsweg mit jüngeren Talenten als richtige Lösung angesehen.

Ein Überblick der Meinungen:

Das Viertelfinale ist zu schaffen
Christian Schweiger und Gernot Rossmann (beide 20 Jahre alt): "Das Viertelfinale ist zu schaffen. Unsere Mannschaft wird sich beim Turnier im Vergleich zu den Freundschaftsspielen in der Vorbereitung steigern. Dazu wird die Euphorie durch die Fans kommen. Im Großen und Ganzen kann man mit der Entwicklung des Nationalteams zufrieden sein."

"Über Einberufungen kann man streiten, ein Kühbauer wäre sicher nicht verkehrt, und ein richtiger 'Knipser' wie früher der Polster fehlt. Aber es gibt auch in der derzeitigen Generation gute Spieler. Aufhauser ist sehr wichtig, dazu Ivanschitz als Kapitän und Macho mit einer Leistung wie gegen die Schweiz. Eine Steigerung ist sicher noch bei der Konstanz möglich, denn nach einem guten Spiel dürfen nicht wieder zwei schlechte folgen."

Wird ganz schlecht enden
Werner Krobath (46) und Maximilian Plank (39): "Das wird ganz schlecht enden. Eine Vollpleite. Nach den bisherigen Testergebnissen kann man sich einfach nichts erwarten, wir haben nicht die nötige fußballerische Qualität. Das Problem liegt bei den Klubs und der Liga. Dort werden nur ausrangierte, günstige Spieler aus dem Ausland eingesetzt, aber keine Nachwuchskräfte."

"Diese Misswirtschaft kommt jetzt gnadenlos heraus. Im internationalen Vergleich sind wir eine Katastrophe, denn aus Einzelspielern kann man keine Mannschaft formen. Innerhalb von einem Jahr geht gar nichts, die EM kommt für uns zu früh. Dennoch war die Verjüngung der Mannschaft der einzig richtige Weg."

Größtes Problem ist das Tempo
Ilse Fuchs (40) und August Fuchs (41): "Nach der Vorrunde wird zwar knapp, aber doch Schluss sein. Das größte Problem ist das Tempo, denn unsere Spieler sind zu langsam. Es passt, dass wir jetzt auf die Jungen setzen, aber heute fehlen die großen Namen und Spielerpersönlichkeiten."

"Der Weg mit der Jugend hätte schon vorher eingeschlagen gehört, nun haben wir nur noch ein Jahr Zeit. Man sollte bei der jetzigen Linien bleiben und nicht wieder ältere Spieler zurück ins Team holen. Wir haben uns mit dem Fußball-Stammtisch um EM-Karten beworben und hoffen, dass wir bei der Europameisterschaft dann einige Spiele live im Stadion sehen können."

Es fehlt der letzte Biss
Peter Pichler und Harald Vogt (beide 55): "Das Viertelfinale wird sich eher nicht ausgehen. Wir würden es dem Team wünschen, doch so wie es momentan aussieht, muss man skeptisch sein. Bei den Spielern muss ein Umdenken erfolgen, denn es fehlt der letzte Biss."

©Bild: GEPA
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"Es ist aber noch Zeit und die Jungen können bei der EM nur gewinnen. Man sollte den derzeitigen Kurs fortsetzen und nicht ältere Spieler wie Kühbauer oder Vastic zurückholen. Der Weg ist richtig, jedoch vielleicht zu spät gekommen. Wir hoffen, dass wir bei der EM Karten für die Spiele in Klagenfurt bekommen und ein wenig von der Euphorie wie in Deutschland nach Österreich übergreift."

Mit Heimvorteil ist einiges möglich
Markus Fritz und Julius Himmler (beide 66): "Nach der Vorrunde ist Schluss. (Plötzlich herrscht Uneinigkeit:) Das sage ich nicht, wir kommen über die Gruppe drüber. Mit dem Heimvorteil als Veranstalterland ist einiges möglich. In der letzten WM-Qualifikation hat man gegen England gesehen, wie wir uns mit einem vollen Stadion im Rücken steigern können."

"Der Zukunftsweg mit den Jungen und einigen erfahrenen Spielern wie Aufhauser, Hiden und Stranzl ist richtig. Allerdings kommen bei uns Talente zu früh und zu leicht in die Nationalmannschaft. Für die Europameisterschaft haben wir uns wegen Aussichtslosigkeit nicht um Karten beworben. Es ist ganz schade, dass Graz kein EM-Austragungsort ist. Aber das ist Versagen der Kommunalpolitiker und hat sich auch gezeigt, als das Schwarzenegger-Stadion zur UPC-Arena umbenannt wurde."

Zeit könnte zu knapp werden
Nicole (15) und Lisa (17): "Weit werden wir nicht kommen, denn es passt irgendwie nicht. Es gibt zwar gute, junge Leute wie Leitgeb, aber die Zeit bis zur EM könnte zu knapp werden. Bei den Tickets haben wir noch nichts probiert, 45 Euro für die billigste Karte sind uns zu teuer. Hoffentlich wird bei uns eine ähnliche Stimmung wie bei der WM herrschen und es gibt auch solche Feiern wie in Deutschland."

Christian Tragschitz, Christian Wagner, ORF.at

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