Unter Dopingverdacht

30 Sportler sollen in Wien Kunden gewesen sein.
Der ehemalige österreichische Radprofi Georg Totschnig hat laut Informationen des deutschen Fernsehsenders ARD zum Kundenkreis der Wiener Blutbank Humanplasma gezählt, die ins Visier der Dopingermittler geraten ist.

Die ARD fand laut eigenen Angaben vom Dienstag Unterlagen über den 36-jährigen Tiroler, der im Herbst 2006 zurückgetreten war. Laut ORF Tirol streitet Totschnig ab, Kunde bei der Blutbank gewesen zu sein.

Radstars als Kunden?
Neben Totschnig sollen auch die aktuellen Topfahrer Michael Rasmussen, Michael Boogerd und Denis Mentschow (alle vom Team Rabobank) Humanplasma-Kunden gewesen sein.

Laut ARD-Angaben zählen außerdem Biathleten und Langläufer zu den etwa 30 Sportlern, die in Wien Bluttransfusionen erhalten haben sollen.

Totschnig hatte 2005 in Ax-Trois Domaines als erster Österreicher der Nachkriegszeit eine Etappe der Tour de France gewonnen. Im Jahr davor war der Tiroler bei der Frankreich-Rundfahrt auf den siebenten Gesamtrang gekommen.

Hinweise auf Blutdoping
Der Kanadier Richard Pound, ehemaliger Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), hatte auf die illegalen Praktiken in der österreichischen Hauptstadt hingewiesen.

Nach Informationen des "Kurier" hatte Pound im vergangenen November in einem Schreiben an den für Sport zuständigen Staatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) erklärt, es bestünden "gute Gründe", dass die Firma "teilweise Athleten beim Blutdoping unterstützt haben soll".

Blutdoping nicht möglich?
Humanplasma bestreitet, Sportlern zu verbotener Leistungssteigerung verholfen zu haben. Geschäftsführer Lothar Baumgartner hatte erklärt, sein Unternehmen sei für Plasmawäsche gar nicht ausgerüstet: "Blutdoping ist hier nicht erfüllbar. Selbst wenn ich ein Schurke wäre - wir haben für Plasmawäsche gar nicht die Geräte."

Laut "Kurier" sollen die Sportler in der Blutbank regelmäßig - außerhalb der normalen Dienstzeiten - ihr Blut "aufgefrischt" haben.

Riebenbauer widerspricht
Der Kärntner Richter Arnold Riebenbauer, der nach der österreichischen Dopingaffäre bei den Olympischen Winterspielen in Turin vom Österreichischen Skiverband (ÖSV) mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt worden war, widersprach der Darstellung der Blutbank, für illegale Bluttransfusionen nicht ausgerüstet zu sein.

Seinen Angaben zufolge "bekamen (wir) schriftliche Informationen des Instituts, die anderes nahelegen".

Riebenbauer hofft nun, dass sich ein Kronzeuge findet. "Dass Herr Pound das Institut beim Namen nennt, hilft rechtlich auch nicht weiter. Man braucht Beweise."

In Österreich nicht strafbar
Da Blutdoping in Österreich nicht gerichtlich strafbar sei, gibt es aber keine eigenen Ermittlungen österreichischer Behörden.

Eine Eigenblutvorsorge anzulegen, etwa für den Fall eines Unfalles, ist jedermann erlaubt.

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