Reize der Weiblichkeit

Bilder für einen guten Zweck.
©Bild: hch-fotopress.com
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Wenn eine begabte Fotografin wie Marlies Getz und eine attraktive Sportlerin wie Elisabeth "Lissi" Niedereder zusammentreffen, kann es zu Bildern kommen, die man wohl am besten unter dem Begriff Ästhetik zusammenfasst.

Wenn der Erlös dieses Kalenders dann auch noch der Krebshilfe zugutekommt, gibt es nur Gewinner: die österreichische Leichtathletik, die zuletzt ohnehin kaum positiv in die Schlagzeilen geriet, den heimischen Sport im Allgemeinen und den wohltätigen Zweck, dem das Geld zur Verfügung gestellt wird.

Geschmackvolle Wahrnehmung
ORF.at versucht einen Überblick heimischer Sportlerinnen zu geben, die abseits des Mainstreams nicht so sehr im Mittelpunkt stehen, aber durch ihr Äußeres zum Blickfang werden.

Die sinnliche Wahrnehmung für Schönes oder Geschmackvolles wurde aber gerade in der Sportwelt in den vergangenen Jahren immer mehr durch die Kommerzialisierung beeinflusst. Sinnlichkeit geriet in den Hintergrund, und offen zur Schau gestellte Sexualität wurde zum Quotenbringer.

Der "Fall Kurnikowa"
Das beste Beispiel dafür, dass Leistung und harte Arbeit, um ein Ziel zu erreichen, längst nicht mehr das Wichtigste sind, bietet Anna Kurnikowa. Die russische Tennisspielerin erlangte durch ihr Aussehen auch unter nicht sportinteressierten Menschen einen bemerkenswert hohen Bekanntheitsgrad.

Obwohl sie kein einziges Turnier gewinnen konnte, wurden ihre diversen Beziehungen zu Topgeschichten für die Regenbogenpresse, Kurnikowa-Bilder waren für Männermagazine Pflicht, die Werbeindustrie stand bei ihr Schlange.

Evert gegen Navratilova
Bereits in den 70er und 80er Jahren waren Duelle zwischen Chris Evert und Martina Navratilova im Tennis ein Vorgeschmack auf die spätere Entwicklung.

Auf der einen Seite die attraktive US-Amerikanerin, die zum Liebling der Fans wurde, auf der anderen ihre Gegnerin aus der damaligen Tschechoslowakei, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekannte, nachdem Gerüchte über eine Affäre mit der Bestsellerautorin Rita Mae Brown aufgetaucht waren.

Die "Eisprinzessin" und das Biest
In den 90er Jahren verstärkte sich dieser Trend in den USA immer mehr. Im Eiskunstlauf (wo zuvor Katharina Witt als wohl beste DDR-"Botschafterin" aller Zeiten geglänzt hatte) wurde Tonya Harding 1994 durch ein von ihrem Mann in die Wege geleitetes Eisenstangen-Attentat auf die damalige US-Rivalin Nancy Kerrigan zum "Biest" und ihre Konkurrentin zur "Eisprinzessin".

Erst acht Monate zuvor, am 30. April 1993, hatte ein Fan von Steffi Graf deren Konkurrentin Monica Seles beim Tennisturnier in Hamburg von hinten mit einem Messer in die Schulter gestochen. Der Sport war längst zu einem Spiegelbild der immer brutaler werdenden Gesellschaft und verrohenden Öffentlichkeit geworden.

Fernab der internationalen Kameras
In Österreich mussten sich Sportlerinnen hingegen mit weniger Medieninteresse, aber dafür mit einem weit ruhigeren Leben anfreunden. Wenn nicht gerade Olympische Spiele anstehen, wo es um Titel für heimische Athleten geht, rücken selbst Medaillen bei Welt- oder Europameisterschaften im Schatten der nationalen Lieblinge Ski alpin, Fußball und Formel 1 in den Hintergrund.

Selbst Topschwimmerinnen wie Fabienne Nadarajah und Jördis Steinegger, die noch dazu auch optisch hervorstechen, sowie Dressurreiterin Victoria Max-Theurer (Tochter der "goldenen" Elisabeth bei den Sommerspielen 1980 in Moskau) haben kaum einmal Gelegenheit, sich einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Snowboarderinnen Heidi Krings und Doris Günther könnten wohl ebenso nur durch Edelmetall bei den Winterspielen 2010 stärker ins Scheinwerferlicht geraten, für Skiläuferin Stefanie Köhle (zuletzt im Europacup im Einsatz) und Karina Toth vom Kitzbüheler Curling Club ist das trotz ihres außergewöhnlichen Äußeren ohnehin nicht möglich.

Sehen und gesehen werden
Der Beachvolleyball-Grand-Slam in Klagenfurt ist alljährlich ein Beispiel dafür, wie sehr Sport mittlerweile durch das Geschehen rund um die Veranstaltung beeinflusst wird. Es zählen Spaß, Party und der VIP-Faktor; wenn dann wie bei Cornelia Rimser oder früher Irina Brandstetter (ehemals Ananewa) auch noch die Weiblichkeit nicht zu kurz kommt, dann staunt die Männerwelt.

In der Leichtathletik waren schon lange vor Lissi Niedereder die Hochspringerin Monika Gollner und die Speerwerferin Patricia Kaiser ein Begriff. Letztere wurde im März 2000 sogar zur Miss Austria gewählt und zeigte zuletzt am 10. Februar sportlich als Vizestaatsmeisterin im Siebenkampf auf.

Call4Girls
Doch es gibt auch eine Schattenseite im heimischen Sport, die nicht unerwähnt bleiben soll. So bietet die Initiative "Call4Girls" Hilfe bei Diskriminierung und sexueller Gewalt. Betroffene werden dort von Margit Straka und Liliane Freundorfer beraten, wenn es zu Benachteiligung, Nichtbeachtung oder Ungleichbehandlung kommt.

Verbale oder körperliche Belästigung, Übergriffe, Vergewaltigung und sexueller Missbrauch sind leider ebenso ein Thema. So berichteten die beiden Ansprechpartnerinnen gegenüber ORF.at, dass nun auch im Sport etwas gegen solche Auswüchse getan werde und sich die Initiative mittlerweile etabliert habe.

"Die wichtigste Message lautet: Es ist ganz wichtig, über dieses Thema zu reden. Das gibt es im Sport, und deshalb wollen wir informieren, präventiv wirksam sein und Opfern Hilfe geben", so die beiden Frauen, die für betroffene Frauen da sind.

Christian Tragschitz, ORF.at

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