"Dieses Wort ist niemals gefallen"

Arnautovic war von den Auswirkungen schockiert.
Die vergangenen Wochen waren für Marko Arnautovic keine leichte Zeit. Der Jungstar aus Österreich ist in den Niederlanden am 14. März über Nacht von einem bekannten Fußballer zu einem Thema in sämtlichen Nachrichtensendungen geworden. Grund dafür war ein Rassismusvorwurf gegen seine Person.

Im Teamcamp in Velden sprach Arnautovic nun erstmals öffentlich über dieses Thema. "Wir haben uns menschenunwürdig und sehr heftig geschimpft. Aber dieses Wort, das er mir vorgeworfen hat, ist niemals gefallen", versicherte Arnautovic.

Der Willem-II-Verteidiger Ibrahim Kargbo hatte den 19-jährigen ÖFB-Stürmer bezichtigt, ihn während des Wortgefechtes als "Nigger" bezeichnet zu haben.

Alte Rivalität
Das wenig freundschaftliche Verhältnis zwischen Arnautovic und Kargbo besteht allerdings schon länger.

"Jedes Mal, wenn wir gegeneinander spielen, steigt er mir auf die Füße und haut mir ein paar rein. Aber als wir so dastanden und uns gegenseitig beschimpften, habe ich mir nur gedacht: Was machen wir da eigentlich?", erklärte Arnautovic.

"Dachte, ich bin im falschen Film"
Die Auswirkungen der Geschichte hatte Arnautovic völlig unterschätzt. "Ich bin nach Hause gekommen, und meine Familie hat mich gefragt, ob ich wüsste, was das für Konsequenzen haben könnte. Ich hab' gesagt, dass mir das egal ist und bin schlafen gegangen", sagte der Österreicher.

"Am nächsten Tag bin ich aufgestanden, habe Zeitungen gelesen und ins Internet geschaut. Ich dachte mir, ich bin im falschen Film und wusste nicht, was da plötzlich los war", war er von den ungeahnten Auswirkungen schockiert.

"Innerlich geweint"
Diese Situation war extrem belastend. "Ich bin erst 19 Jahre alt. Ich bin zu Hause gesessen und habe innerlich geweint", gestand Arnautovic.

Die Untersuchungen durch den niederländischen Verband sind mittlerweile seit Montag wegen zu geringer Beweislage eingestellt. "Ich bin sehr erleichtert, ich bin jetzt wieder frei", meinte Arnautovic.

Arnautovic tut Kargbo leid
Kontakt mit Gegenspieler Kargbo gab es seit dem Zwischenfall nicht. Doch Arnautovic berichtete von einem niederländischen TV-Interview des Mannes aus Sierra Leone. "Er hat dabei gesagt, dass es ihm leid für mich tue."

Arnautovic hätte "keinerlei Probleme", die Sache mittels eines Gesprächs mit Kargbo aus der Welt zu schaffen. "Auf dem Feld ist dein bester Freund dein größter Feind. Abseits des Rasens schaut die Sache ganz anders aus."

Früher "ein kleiner Teufel"
Dass in ihm das Potenzial zu einem emotionsgeladenen "Häferl" steckt, will Arnautovic nicht abstreiten. Aber in dieser Hinsicht hat er hart an sich gearbeitet.

"Früher hatte ich disziplinäre Probleme. Da habe ich gegen Trainer zurückgeredet und Mitspieler beschimpft. Manche Eltern von Teamkollegen haben mich als kleinen Teufel gesehen. Aber ich habe mich geändert, ich bin jetzt ein ruhigerer Mensch."

Taten statt Worte
Deshalb will er auch am Mittwoch in der WM-Qualifikation gegen Rumänien ausschließlich seine fußballerische Klasse sprechen lassen. Zahlreiche Topclubs stehen aber bereits jetzt bei seinem Manager Schlange.

Ob Arnautovic dennoch bei Twente bleibt oder in eine seiner drei Lieblingsligen (Spanien, Italien, England) wechselt, will er erst nach Saisonende entscheiden.

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