Annäherung an perfekte Kugel

Beim neuen WM-Ball wurde die Anzahl der Einzelteile noch reduziert.
Fußbälle sind schon längst keine einfachen "Lederwuchteln" mehr, sondern Hightech-Produkte. Bei der Entwicklung des offiziellen Matchballs für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika setzte Sportartikelhersteller adidas völlig neue Technologien ein, um mit dem "Jabulani" den "rundesten Ball aller Zeiten" herzustellen.

©Bild: ORF.at/Peter Falkner
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Weniger Teile für rundere Struktur
Die seit 1970 verwendete klassische Wabenstruktur bestehend aus zwölf schwarzen Fünfecken und 20 weißen Sechsecken wurde bereits mit dem Ball für die WM 2006 in Deutschland in Pension geschickt. Durch die Reduktion von 32 Teilen auf nur noch 14 Panels erreichte der "Teamgeist" eine rundere Struktur.

Beim "Jabulani" reduzierten die Entwickler die Anzahl der Panels sogar auf acht Stück, was den Ball - mit maximal 0,9 Prozent Abweichnung - der perfekten Kugel wieder ein Stück näher brachte.

©Bild: ORF.at/Peter Falkner
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Erstmals 3-D-Panels
Aufgrund der Größe der einzelnen Panels durften diese allerdings nicht mehr flach sein, sondern mussten erstmals dreidimensional vorgeformt werden. Die vier "Triangles" (Dreiecke) und vier "Tripods" (Dreibeine, Stative) wurden daher in einem Hochfrequenz-Vakuumformungsprozess sphärisch geformt.

©Bild: ORF.at/Peter Falkner
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Die 3-D-Panels hätten auch den Vorteil, "dass der Ball nach einem Kick schneller in seine ursprüngliche Form zurückkehrt und dadurch mehr Energie aufbaut", sagte Georg Kovacic, Global PR-Manager adidas football. "Du fühlst die Energie, die auf dich zukommt, das ist ein Geschoss", zeigte sich Tschechiens Teamtorhüter Petr Cech vom "Jabulani" beeindruckt.

Was der Groove bewirkt
Das neu entwickelte "Grip 'n' Groove"-Profil verspricht laut Hersteller bessere Flugeigenschaften und "eine perfekte Griffigkeit". Mit den "Aero-Grooves" - deutlich sichtbare Vertiefungen in der Oberfläche des "Jabulani", die den gesamten Ball umziehen - erreiche der WM-Ball selbst bei wenig Rotation bisher unerreicht stabiles Flugverhalten.

©Bild: ORF.at/Peter Falkner
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"Wenn der Ball ganz glatt wäre, würde er ein unglaublich schwankendes Flugverhalten zeigen", sagte Hans-Peter Nürnberg, adidas-Chefentwickler des WM-Balls, im ORF.at-Interview. Man brauche daher eine "gewisse Rauhigkeit", damit der Ball, speziell wenn er keinen Effet aufgebaut hat, stabil bleibt.

"Wir müssen bewusste Störungen hereinbringen, damit die Luftströmung hinter dem Ball beruhigt ist", meinte Nürnberg. Zahlreiche Windkanaltests der englischen Universität Loughborough würden die bisher nie erreichten Leistungsmerkmale des "Jabulani" bestätigen.

Kraft, Effet, Kontrolle
Die als "Grip" bezeichntete Mikrotextur des WM-Balls ist eigentlich nichts anderes als die bereits beim "Europass" (Spielball der EM 2008 in Österreich und der Schweiz) verwendete PSC-Textur, auch Gänsehaut genannt. Der "Grip" sorgt für bessere Kraftübertragung, mehr Effet und mehr Kontrolle.

"Phantastisch, der Ball macht genau das, was ich will", sagte DFB-Teamspieler Michael Ballack nach ersten Tests. Auch sein Chelsea-Teamkollege Frank Lampard lobte den "Jabulani": "Ein sehr starker Ball, mit ihm treffe ich punktgenau", sagte der englische Teamspieler. Für Brasiliens Kaka ist der Kontakt zum Ball das Wichtigste, "und der ist bei diesem Ball großartig".

Vor allem bei Nässe zeigen sich die Vorteile der Textur, die "bewirkt, dass der Wasserfilm zwischen Schuh und Ball gebrochen wird und man dadurch auch bei nassen Bedingungen den Ball mit einem unheimlichen Grip schießen kann", sagte adidas-PR-Manager Kovacic.

Update für die Gänsehaut
Allerdings erhielt sie beim neuen Turnierball ein Facelifting und wurde damit zusätzlich zum Designelement, das als Huldigung der afrikanischen Kultur gesehen werden soll. In Anlehnung an afrikanische Handarbeiten, die nicht perfekt gemacht werden können, sei die Mikrotextur zwar "perfekt ausgeführt, aber in einer Art gemacht, dass es nicht perfekt erscheint", sagte Nürnberg.

Auswirkungen auf die Flugeigenschaften habe die Textur nicht. "Die Oberflächenstruktur trägt zur Aerodynamik nicht viel bei, weil sie zu mikroskopisch ist", meinte der WM-Ball-Chefentwickler.

Elf verschiedene Farben verwendet
Beim Design des "Jabulani" (der Name entstammt der Bantusprache isiZulu und bedeutet "feiern" oder "zelebrieren"), kommt der Zahl elf große Bedeutung zu. Sie steht stellvertretend für die elf in Südafrika offiziell gesprochenen Sprachen, die elf südafrikanischen Stämme und die elf Spieler in einer Mannschaft. Außerdem ist der "Jabulani" der elfte offizielle WM-Ball aus dem Hause adidas.

Daher wurden elf Farben und elf feine Linien, die das Schlüsselelemt im Design umrunden, verwendet. Das Erscheinungsbild wurde in Anlehnung an die Außenhaut des Soccer-City-Stadions in Johannesburg gewählt, wo neben dem Eröffnungsspiel und dem Finale sechs weitere Partien stattfinden.

©Bild: ORF.at/Peter Falkner
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Das farbenfrohe Design repräsentiere die enorme Vielfalt des Veranstalterlandes, Hauptfarbe des WM-Balls ist allerdings weiß. "Je mehr weiß vorkommt, desto besser ist der Fußball sichtbar", versicherte der Hersteller.

Peter Falkner, ORF.at

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