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Delle Karth/Resch: Olympia 2016 denkbar

Zehnte in Athen 2004, Achte in Peking/Qingdao 2008 und nun Vierte in London/Weymouth. Nico Delle-Karth/Niko Resch haben sich im vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich nach oben gearbeitet, eine Medaille bei den Sommerspielen verpassten die zweifachen Gesamtweltcup-Sieger der 49er-Segelklasse am Mittwoch nur hauchdünn um vier Punkte.

Mit welcher Souveränität Delle-Karth/Resch das Medal Race gewannen, beeindruckte auch OeSV-Sportdirektor Georg Fundak. „Die ‚Nickos‘ waren unter Druck, und unter dem Druck haben sie diese Leistung gemacht. Sie haben gezeigt, dass sie es können. Wenn sie in den letzten zwei Jahren so arbeiten hätten können wie in den vergangenen sechs Wochen, dann würden wir hier von einer anderen Situation sprechen“, sagte Fundak. Dann wäre es vielleicht nicht „Blech“ geworden.

Dank an das Team

Nach einer Verletzung des Steuermanns Delle-Karth im Herbst (Innenbandriss im rechten Knie) und einem Todesfall in seiner Familie (Bruder verunglückt) verlor das Duo viel Zeit in der Vorbereitung. „In den vergangenen neun Monaten hatten sie neun Wochen Segelpause, das ist sehr viel. Sie haben zuletzt sehr hart gearbeitet und sind mental gewachsen“, sagte Fundak. Der 28-jährige Delle-Karth sprach deshalb auch Dank an die Teamkollegen, an Fundak, an Coach Ivan Bulaja, an Sportpsychologen Günter Amesberger und Meteorologin Elena Cristofori aus.

„Sie ist immer für einen Lacher gut.“ Das konnte er nach der privaten Tragödie gebrauchen. „Wir haben sehr viel Unterstützung bekommen, wir Segler fallen überall auf, weil wir so geschlossen als Mannschaft auftreten und zusammenhalten.“ Der riskante Start im Medal Race zeigte absolute Willensstärke, die kleine Chance auf Bronze doch noch zu nützen.

Speed-Nachteile ausbügeln

„Wir sind 13- von 15-mal scheiße gestartet. Du musst einfach am Start auch was riskieren, sonst bist du nicht dabei. Die Lücke war da, der Wind ist von links gekommen. Zur Linie war es eng, aber so muss man starten“, sagte Delle-Karth. Leider reichte es am Ende nicht für Bronze, das Dänemark erhielt. An der Goldmedaille der souveränen Australier Nathan Outteridge/Iain Jensen gab es hingegen nichts zu rütteln. Das schnelle Material des Konkurrenzbootes gab aber zu denken. „Das müssen wir ein bisschen studieren“, sagte Fundak.

„Sie haben einen Speed-Vorteil und machen sehr wenig Fehler. Sie haben extrem gut ausgenützt, dass alle anderen auf und ab gesegelt sind. Ich würde mir gerne ihr Boot genau anschauen, aber das ist schwer möglich, da lassen sie uns nicht ran“, meinte Delle Karth. Es sei aber alles vermessen worden und habe seine Richtigkeit. „Aber es ist manchmal wirklich sehr schnell. Wir werden schauen, dass wir das ausbügeln und in den Griff bekommen.“ Die Neuseeländer Peter Burling/Blair Tuke hätten Nervenstärke gezeigt und seien keine Überraschungszweiten.

Brasilien wärmer als England

Die Zukunft werden Delle Karth und Resch erst besprechen. „Rio ist nicht so weit weg. Und der Sommer ist wärmer als in England, da macht das Training vor den Spielen mehr Spaß. Aber mittlerweile haben wir uns schon so auf Regen in England eingestellt“, sagte Delle-Karth, merkte allerdings an: „Daran denke ich noch nicht. Wir haben extrem hart gearbeitet in diesem Jahr, was alles andere als einfach war. Auch die drei Jahre davor sind nicht immer ganz locker von der Hand gegangen. Du bereist die Welt, bist jeden Tag auf dem Wasser, egal bei welchen Verhältnissen.“

Man habe aber prinzipiell gesagt, dass man weitersegeln wolle. „Aber wie das ausschaut, mit welchem Plan und wann wir wieder 49er segeln, das wissen wir nicht.“ Lediglich das Programm der nächsten Tage stand. „Wir drücken Matthias Schmid und Florian Reichstädter die Daumen. Dann müssen wir zusammenpacken, wir wohnen ja schon fast hier. Bis wir alles finden, was wir hierhergebracht haben, dauert das zwei Tage. Und dann hoffen wir, noch was in London zu sehen.“

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Publiziert am 10.08.2012