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„Habe erreicht, was ich wollte“

Schwimmstar Michael Phelps hat sein letztes olympisches Rennen mit dem Gewinn der 18. Goldmedaille gekrönt. Der 27-Jährige siegte am Samstagabend in London mit der US-Staffel über 4 x 100 Meter Lagen in 3:29,35 Minuten vor den Teams aus Japan und Australien. Für den Rekordolympioniken Phelps war es die insgesamt 22. Medaille in seiner einzigartigen Karriere - 18 davon glänzen in Gold.

Alles andere als ein Sieg zum Abschied wäre auch eine Überraschung gewesen, sind die USA in der Lagenstaffel der Männer in der olympischen Geschichte unbesiegt. Am Freitag hatte der 1,93 m große Ausnahmeathlet über 100 m Delfin auch das letzte Einzel-Rennen seiner unvergleichlichen Karriere für sich entschieden.

Matthew Grevers, Nathan Adrian, Michael Phelps und Brendan Hansen jubelnReuters/Jorge SilvaPhelps hatte bei seinem letzten großen Abschied sichtlich Spass

„Heute ist der verrückteste Abend, davon habe ich geträumt“, sagte Phelps nach seinem letzten Rennen dazu, als erfolgreichster Olympionike abzutreten. „Bob (Anm.: Trainer Bob Bowman) und ich haben dafür gearbeitet. Wenn ich auf meine Karriere zurückblicke, habe ich erreicht, was ich wollte.“ Dass es ohne ihn langweilig werde, glaubt Phelps nicht. „Da gibt es noch so viel mehr, das geschafft werden kann.“

Rekorde für die Ewigkeit

Phelps gewann in der britischen Hauptstadt vier Gold- und zwei Silbermedaillen und war damit wieder erfolgreichster Schwimmer. Das hatte er schon in Athen 2004 mit sechs Gold und zwei Bronze sowie in Peking 2008 mit acht Gold geschafft. Von seinen vier Peking-Titeln blieb er außer in der Lagenstaffel auch in der langen Kraulstaffel sowie über 100 m Delfin und 200 m Lagen erneut erfolgreich. Auf diesen Distanzen schaffte Phelps als erster Mann auf Einzelstrecken ein Olympiatriple.

Außerdem hat der 27-fache Weltmeister nun den Medaillenrekord bei olympischen Spielen der sowjet-russischen Turnerin Larissa Latynina überboten, letztlich um vier Medaillen. Zu Lagenstaffel-Gold stürmte Phelps zum Abschluss seiner unvergleichlichen Laufbahn als Delfinschwimmer mit Matthew Grevers, Brendan Hansen und Nathan Adrian. In 3:29,35 Minuten wurden Japan um 1,91 Sekunden und Australien um 2,23 Sekunden auf die Plätze verwiesen.

Zwei Weltrekorde am Schlusstag

Am Schlusstag der Schwimmbewerbe gab es zwei weitere Weltrekorde, insgesamt wurden es neun. Bei den Damen waren es überhaupt die ersten sechs nach 2009 bzw. dem Ende der Ganzkörperanzugära. Für den letzten sorgte die Lagenstaffel der US-Damen mit Missy Franklin, Rebecca Soni, Dana Vollmer und Allison Schmitt in 3:32,05, um 14/100 schneller als Chinas Weltmeisterinnen 2009. Franklin, Soni und Vollmer hatten bei diesen Spielen auch Einzel-Weltrekorde fixiert.

Jubel von Missy FranklinGEPA/US Presswire/Rob SchumacherFranklin war bei den Damen eine Klasse für sich

Für Franklin war es die vierte Goldmedaille in London. Soviel oder auch mehr hatten das bei einem einzelnen Olympiaevent vorher nur drei Schwimmerinnen geschafft - die Ostdeutschen Otto 1988 mit sechs sowie Kornelia Ender 1976 mit vier als auch die US-Amerikanerin Amy van Dyken 1996 mit vier.

Die 17-Jährige hält es aber nicht für möglich, die Medaillenmarken von Phelps zu erreichen. „Ich glaube nicht, dass ich je in seine Fußstapfen passen werde. Aber vielleicht kann ich mich ihm noch etwas annähern“, meinte Franklin. Sie könnte durchaus noch bei drei Spielen dabei sein, nach ihren ersten Spielen fehlen ihr 14 Gold bzw. 17 Medaillen auf ihren Landsmann. Sie ist auf sieben Distanzen angetreten, holte dabei vier Gold- und eine Bronze-Medaille.

Sun Yang schreibt Geschichte

Bei den Herren schlug Sun Yang über 1.500 m Kraul zu. Der Chinese zwackte von seinem am 31. Juli des Vorjahres bei der WM in Schanghai aufgestellten Weltrekord in 14:31,02 Minuten gleich 3,12 Sekunden ab. Der 20-Jährige ist der erste Schwimmer mit dem Olympiadouble aus 400 und 1.500 m Kraul seit dem Sowjet-Russen Wladimir Salnikow 1980 in Moskau. Und Sun wurde auch zum überhaupt ersten asiatischen Schwimmer mit vier Medaillen bei einem Olympiaevent.

Dabei hatte er Glück, dass er die 1.500 m am Samstag überhaupt absolvieren durfte. Sun hatte es offenbar so eilig, dass er einen klassischen Fehlstart hinlegte und als einziger Schwimmer ins Becken sprang. Doch der Startrichter hatte ein Einsehen und ließ den Start wiederholen - mit den bekannten Folgen.

Im Damen-Kraulsprint fixierte die Niederländerin Ranomi Kromowidjojo in 24,05 Sekunden als vierte Frau das olympische Kraulsprintdouble aus 50 und 100 m. Davor war das der Ostdeutschen Kristin Otto 1988, der Niederländerin Inge de Bruijn 2000 und der Deutschen Britta Steffen 2008 gelungen. Steffen wurde diesmal Vierte und die deutsche Herren-Lagenstaffel Sechste, womit es für Deutschland erstmals seit den Spielen 1932 in Los Angeles keine Schwimmmedaille gab.

Erfolgreichste Sommer-Olympioniken:
1. Michael Phelps (USA) 2004-2012 Schwimmen 18 2 2
2. Larissa Latynina (URS) 1956-1964 Turnen 9 5 4
3. Paavo Nurmi (FIN) 1920-1928 Leichtathletik 9 3 0
4. Mark Spitz (USA) 1968-1972 Schwimmen 9 1 1
5. Carl Lewis (USA) 1984-1996 Leichtathletik 9 1 0
6. Birgit Fischer (GER) 1980-2004 Kanu 8 4 0
7. Sawao Kato (JPN) 1968-1976 Turnen 8 3 1
. Jenny Thompson (USA) 1992-2004 Schwimmen 8 3 1
9. Matt Biondi (USA) 1984-1992 Schwimmen 8 2 1
10. Ray Ewry (USA) 1900-1908 Leichtathletik 8 0 0
11. Nikolaj Andrianow (URS) 1972-1980 Turnen 7 5 3
12. Boris Schachlin (URS) 1956-1964 Turnen 7 4 2
13. Vera Caslavska (CSR) 1960-1968 Turnen 7 4 0
14. Viktor Tschukarin (URS) 1952-1956 Turnen 7 3 1
15. Aladar Gerevich (HUN) 1932-1960 Fechten 7 1 1
Die vom IOC nicht anerkannten Zwischenspiele 1906, bei denen Ewry zwei weitere Goldmedaillen gewonnen hat, sind nicht berücksichtigt.

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Publiziert am 05.08.2012