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Verband zieht die Konsequenzen
So hatte auch das top gesetzte chinesische Doppel Wang Xiaoli und Yu Yang offenkundig absichtlich verloren. „Wir unterstützen und begrüßen die Entscheidung des internationalen Verbandes. Für solch ein Verhalten ist bei Olympischen Spielen kein Platz“, sagte ein Funktionär des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).
Reuters/Bazuki MuhammadDie Offiziellen versuchten vergeblich, die Spielerinnen zum Spielen zu bewegenDie betroffenen Partien waren am Dienstag vom Publikum in der Wembley Arena mit wütenden Pfiffen und „Betrug“-Rufen verfolgt worden. Speziell die Chinesinnen schupften so gut wie jeden Aufschlag ins Netz oder feuerten die Bälle offensichtlich absichtlich ins Out. Alle waren schon vor den strittigen Matches bereits für die nächste Runde qualifiziert und konnten sich somit Niederlagen leisten.
„Wir wollten Kraft sparen“
Betroffen ist unter anderen das top gesetzte Doppel Wang Xiaoli und Yu Yang, das sein Gruppenspiel gegen die Koreaner Jung Kyung Eun und Kim Ha Na mit 14:21 11:21 absichtlich verlor. Die Chinesinnen wollten damit ein frühzeitiges Aufeinandertreffen mit dem zweiten chinesischen Doppel vermeiden. „Wir waren schon qualifiziert, wir wollten Kraft sparen für die K.-o.-Runden“, verteidigte Yu Yang ihr Verhalten.
Neben Wang/Yu und ihren koreanischen Gegnerinnen traf der Ausschluss noch die Koreanerinnen Jung Eun Ha/Min Jung Kim sowie das indonesische Duo Greysia Polii/Meiliana Jauhari.
Reuters/Bazuki MuhummadDie vier Paare, die das Ansehen des Sports in Misskredit brachtenNach den Disqualifikationen ist die Doppelkonkurrenz fortgesetzt worden. In der Wembley Arena traten die Nachrücker Waleria Sorokina/Nina Wislowa aus Russland gegen die ebenfalls durch die Disqualifikation der Konkurrentinnen im Turnier verbliebenen Michelle Edwards/Annari Viljoen aus Südafrika an.
Nicht die erste Absprache
Dass die Chinesinnen in den Skandal verwickelt sind, ist besonders pikant. Denn vor einiger Zeit hatte Cheftrainer Li Jongbo sogar öffentlich eingeräumt, dass es 2004 bei den Olympischen Spielen im Halbfinale des Damen-Einzels eine Absprache gegeben hatte. Die chinesische Olympiamannschaft leitete mittlerweile selbstständig Ermittlungen wegen der Vorfälle vom Dienstagabend ein.
Südkoreas Cheftrainer Sung Han-Kook räumte ein, dass auch seine zwei Doppel versucht hätten, ihre Spiele gegen Teams aus China bzw. Indonesien zu verlieren. Dies sei aber lediglich die Reaktion auf das Verhalten der Gegnerinnen gewesen. Letztlich waren die beiden koreanischen Doppel im Verlieren weniger „begabt“ und gewannen die jeweiligen Matches, in denen die Referees jeweils mit Disqualifikationen wegen des Verhaltens der Spielerinnen drohten. Doch am Ende standen alle vier Doppel mit leeren Händen da.
„China hat das schon so oft gemacht“
Erick Thohir, Chef der indonesischen Olympiadelegation, beschuldigte die Chinesen, schon früher absichtlich verloren zu haben. „China hat das schon so oft gemacht und ist vom Verband nie bestraft worden. Als die Chinesinnen es gestern im ersten Spiel wieder getan haben, hat der Verband wieder nicht reagiert. Wenn er im ersten Match etwas unternimmt und jemanden disqualifiziert, ist das für alle eine Warnung.“
Spielplan macht Manipulation möglich
Für die Olympischen Spiele in London hat der Badminton-Weltverband seine Regeln geändert und damit ungewollt die Manipulationen möglich gemacht. Im Gegensatz zu bisherigen Turnieren wird der Badminton-Wettbewerb in London nicht mehr von Beginn an im K.-o.-System gespielt, sondern zunächst in einer Gruppenphase. Da die letzten Paarungen nicht parallel stattfinden, sind Absprachen möglich oder freiwillige Niederlagen für den weiteren Turnierverlauf eventuell hilfreich.
Die Problematik betrifft prinzipiell alle Ballsportarten. Auch bei den Fußball-Frauen hätte es bei einem bestimmten Turnierverlauf bei den London-Spielen die Möglichkeit für Absprachen geben können, da die beiden besten Gruppendritten das Teilnehmerfeld im Viertelfinale komplettieren.
Im Fußball war bei Weltmeisterschaften nach der „Schande von Gijon“ 1982 der Spielplan modifiziert worden. Deutschland und Österreich waren damals durch einen deutschen 1:0-Sieg in die nächste Runde eingezogen, Algerien konnte dem unwürdigen Treiben nur zuschauen. Danach legte die FIFA fest, dass abschließende Gruppenspiele zeitgleich stattfinden müssen.
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Publiziert am 01.08.2012