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Spirig hat den Bauch vorne

In einem dramatischen Schlussspurt hat sich die Schweizerin Nicola Spirig olympisches Triathlon-Gold gesichert und den Eidgenossen die erste Medaille in London überhaupt beschert. Die 30-Jährige hatte am Samstag in London nach 1,5 Kilometern Schwimmen, 40 Kilometern Radfahren und zehn Kilometern Laufen im Ziel einen hauchdünnen Vorsprung vor der Schwedin Lisa Norden.

Bronze ging an die Australierin Erin Densham. Die Österreicherin Lisa Perterer blieb als 48. (+ 9:24 Min.) und Fünftletzte auch hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Die 20-jährige Villacherin hatte mit einem Platz unter den Top 20 spekuliert.

Lisa Norden (SWE) und Nicola Spirig (SUI) beim Zieleinlauf des Triathlons der DamenAPA/Roland SchlagerScheinbar gleichzeitig zerrissen Norden (li.) und Spirig (re.) das Zielband

Banges Warten auf das Zielfoto

Nach 1:59:48 Stunden herrschte zunächst große Verwirrung über die Siegerin, weil Spirig und Norden zeitgleich die Ziellinie überquert hatten. Nach dem lange Zeit eine größere Gruppe an der Spitze des Feldes lag, machten auf der Laufstrecke schließlich Spirig, Norden, Densham und die Amerikanerin Sarah Groff die Medaillen unter sich aus. Als Erste musste Groff abreißen lassen, dann setzten sich Spirig und Norden ab.

Spirig zog früh den energischen Zielsprint an und sah wie die sichere Siegerin aus. Auf den letzten Zentimetern schloss dann Norden zu ihr auf und zerriss zumindest optisch gleichzeitig mit der Schweizerin das Zielband. Offiziell hatte dann aber am Ende die Schweizerin laut Fotofinish die Nase hauchdünn vorne. „Beim Überqueren der Ziellinie hatte ich das Gefühl, gewonnen zu haben. Aber ich war mir nicht sicher. Kein Offizieller konnte mir das sagen“, berichtete Spirig. „Das dauerte einige Minuten. Das war sehr hart.“

Gold oder Silber ist nicht egal

„Ich wäre mit jeder Medaille zufrieden gewesen“, gab Spirig an. „Aber Gold und Silber macht dann doch einen großen Unterschied.“ Sofort tauchte bei allen Beobachtern die Frage auf, ob nicht beide Athletinnen eine Goldmedaille bekommen sollten. „Ich denke, das ist eine großartige Idee“, sagte Lisa Norden - und zeigte mit ihrem Lachen, dass sie ihre Antwort nicht ernst meinte. „Die Regeln sind so, dass es einen Sieger gibt“, entgegnete Spirig mit ernsterer Miene.

Lisa Perterer (AUT) nach dem Zieleinlauf im Triathlon der DamenAPA/Roland SchlagerPerterer musste als zweitjüngste Athletin im Feld Lehrgeld zahlen

„Schlägerei“ beim Schwimmen

Die Österreicherin hatte indes andere Sorgen. „Ich war komplett in eine Schlägerei verwickelt“, beschrieb Perterer die Anfangsphase des 1,5 Kilometer langen Schwimmteils. „Dafür fehlt mir noch die Aggressivität, das muss ich noch lernen. Dabei habe ich es im Schwimmen drauf.“ Bei der Startplatzauslosung hatte die Villacherin kein Glück, nur schwächere Schwimmerinnen scharten sich um sie. Diese verschafften sich mit den Fäusten freie Bahn.

Perterer stieg in 20:17 Minuten mit exakt zwei Minuten Rückstand auf Leaderin Lucy Hall aus dem Wasser. Abgeschlagen und isoliert hatte es die Zweitjüngste im Feld dann auf der Radstrecke nicht leicht. Auf der vom Regen noch feuchten Strecke stürzten zahlreiche Athletinnen, darunter die zweifache Weltmeisterin Emma Moffatt (AUS).

„Eine wichtige Erfahrung“

Auf der ersten von sieben Runden war Perterer alleine unterwegs, erst in der weiteren Folge bildete sich eine größere Gruppe. In dieser Phase lief es auch besser für sie als zu Beginn. Allerdings spürte Perterer ihr verletzt gewesenes linkes Knie. „Ich habe zwar Ausdauertraining gemacht, aber bin da nicht auf Druck gefahren.“ In der Wettkampfbelastung machte sich bemerkbar, dass die vor rund einem Monat beim Beckenschwimmen erlittene Verletzung doch noch nicht ganz ausgeheilt ist.

Letztlich hat sich auch das durch die Blessur reduziert gewesene Lauftraining auf den abschließenden, in 37:23 Minuten absolvierten zehn Kilometern bemerkbar gemacht. Mit einem Rückstand von 5:38 Minuten als 43. auf die Strecke gegangen, wuchs das Minus in den vier Laufrunden noch um weitere 3:46 Minuten an. „Aber es war eine wichtige Erfahrung“, meinte Perterer. „Ich habe versucht, die Stimmung zu genießen. Ich muss mir das Positive herausziehen.“

Damen

1. Nicola Spirig SUI 1:59:48
2. Lisa Norden SWE 1:59:48
3. Erin Densham AUS 1:59:50
4. Sarah Groff USA 2:00:00
5. Helen Jenkins GBR 2:00:19
6. Andrea Hewitt NZL 2:00:36
7. Ainhoa Murua ESP 2:00:56
8. Emma Jackson AUS 2:01:16
48. Lisa Perterer AUT 2:09:12

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Publiziert am 05.08.2012